Australien: Die bizarre Welt der eierlegenden Säugetiere

Der Kurzschnabeligel ist eine der vier Schnabeligelarten. Der Kurzschnabeligel ist eine der vier Schnabeligelarten.

Die in Australien heimischen Schnabeltiere und Schnabeligel sind in der Tat aussergewöhnlich: Sie sind die einzigen eierlegenden Säugetiere.

Australien ist nicht nur die Heimat der berühmten Kängurus und Koalas. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Roten Kontinents haben sich auf dieser Landmasse neben den Beuteltieren auch andere einzigartige Lebewesen entwickelt: Die Kloakentiere (Monotremata).
Tatsächlich werden diese faszinierenden Tiere zu den Säugetieren gezählt, obwohl sie ihre Jungen nicht lebend gebären. Es sind gerade einmal fünf Arten in der Ordnung der Kloakentiere bekannt – eine Schnabeltierart und fünf Schnabeligelarten. Sie sind die einzigen bekannten eierlegenden Säugetiere.

Eier, Kloaken, Elektrorezeptoren und Giftsporne

Bereits das Eierlegen weist darauf hin, dass Schnabeligel und Schnabeltiere sehr ungewöhnliche Säugetiere sind. Wie es sich unter Säugetieren gehört, besitzen auch sie Milchdrüsen. Allerdings wird die Milch nicht über Zitzen abgegeben, sondern die Jungtiere saugen diese direkt aus Öffnungen in der Haut.
Ungewöhnlich sind zudem die Kloake und die Elektrorezeptoren: Im Gegensatz zu anderen Säugetieren mündet der Darm- und Harnröhrenausgang der Kloakentiere in derselben Öffnung, der sogenannten Kloake. Daher stammt auch der Name der Ordnung „Kloakentiere“.
Bei der Beutesuche werden die fleischfressenden Kloakentiere von speziellen Elektrorezeptoren am Schnabel unterstützt. Diese erkennen die schwachen elektrischen Felder der Muskelbewegungen von Beutetieren wie Würmern, Ameisen, Termiten und Krebstieren.

Die Schnabeligel mit ihren Stacheln auf dem Rücken mögen den uns bekannten Igeln noch einigermassen gleichen. Doch die Schnabeltiere sind in ihrem Aussehen definitiv einmalig. Als der erste Pelz eines Schnabeltiers von Siedlern nach London geschickt wurde, hielt man es dort zuerst für einen Scherz. Mit ihrem flachen Schnabel und einem biberähnlichen Schwanz ist ihr Aussehen tatsächlich ungewohnt. Bei den männlichen Schnabeltieren gibt es zudem eine weitere Besonderheit: Sie besitzen einen Giftsporn am Hinterfuss, den sie beim Kampf um paarungsbereite Weibchen einsetzen. Somit gehören sie zu den wenigen giftigen Säugetieren.

Wieso zählen sie dennoch zu den Säugetieren?

Trotz all dieser Eigenheiten werden die Kloakentiere zu den Säugetieren zugeordnet, denn für die systematische Einordnung ist vor allem die Phylogenie – also die stammesgeschichtliche Herkunft und nicht die Anatomie – entscheidend. Ausserdem besitzen auch Schnabeltiere und Schnabeligel einige säugetiertypische Merkmale wie das Fell oder die drei Gehörknöchelchen im Innenohr.

Unterschiedliche Lebensweisen

Die in Australien und Papua Neuguinea heimischen Schnabeltiere und Schnabeligel teilen zwar ein ähnliches Verbreitungsgebiet, doch ihr Lebensraum könnte nicht verschiedener sein. Mit ihrem wasserabweisendem Fell, dem Paddelschwanz und den Schwimmhäuten sind die Schnabeltiere ideal an aquatische Lebensräume angepasst. Nur zum Ausruhen ziehen sie sich in Erdbaue zurück.
Schnabeligel hingegen sind landlebend und besitzen praktische Grabkrallen.

Evolution wirft noch Fragen auf

Über die Evolution der Kloakentiere ist nur sehr wenig bekannt. Sie haben sich schon früh in der Stammesgeschichte von den anderen Säugetiergruppen - den Beuteltieren und Plazentatieren – abgespalten und formen so eine eigene basale Gruppe. Wie sie sich von da an zu dem, was sie heute sind, weiterentwickelt haben, konnte bisher kaum rekonstruiert werden.
Eine Geschichte der Aborigines besagt, dass die Schnabeltiere die Nachkommen einer Wasserratte und einer Ente sind. Die Wissenschaft sieht dies ein wenig anders: Mittlerweile haben Paläontologen diverse fossile Kiefer, Zähne und Schädel von urzeitlichen Schnabeltieren gefunden. Da die heutigen Schnabeltiere ihre Zähne zurückgebildet haben, ergeben Zahnfunde besonders viel Aufschluss über die Vergangenheit der Tiere. Ein Zahn wurde sogar im entfernten Südamerika gefunden. Deshalb wird vermutet, dass Schnabeltiere einst auch auf diesem Kontinent heimisch waren.
Über die Evolution des Schnabeligels, der auch als Ameisenigel bekannt ist, ist wirklich so gut wie nichts bekannt.

Häufig in Australien – bedroht in Papua Neuguinea

Da das Schnabeltier in Australien nicht mehr wegen seines Fells gejagt wird, kommt es dort mittlerweile wieder häufiger vor. Dennoch gilt das Schnabeltier wegen den hohen Habitatsansprüchen als gefährdet. Flussregulierungen und Verschmutzungen durch angrenzende Siedlungen verändern die idealen Lebensräume der Schnabeltiere. Zudem können sie sich in Fischnetzen in Flüssen und Süsswasserseen verfangen.
Auch bei den Schnabeligeln sieht die Situation in Australien gut aus: Dank ihrer Anspruchslosigkeit sind sie die am weitesten verbreiteten einheimischen Säugetiere – sie stellen sogar die Kängurus in den Schatten! Da die Stacheln ihnen optimalen Schutz vor Räubern bieten, stellt der Strassenverkehr wie bei den heimischen Igeln die grösste Gefahr dar.
Die Bedrohungslage der Kloakentiere im benachbarten Papua Neuguinea ist wesentlich ernster. Waldrodungen schränken ihren Lebensraum ein und Schnabeligel werden sogar wegen ihres Fleisches mit Hunden gejagt. Deshalb nehmen die Bestände des papua-neuguineischen Langschnabeligels stetig ab.

Einzigartige Lebewesen wie die Kloakentiere zeigen, welch faszinierende Kreaturen eine intakte Natur zu beherbergen mag. Dafür muss man nicht am anderen Ende der Erde suchen gehen. Auch bei uns gibt es eine enorme Vielfalt zu bestaunen.

Infos über Schnabeltiere (Australian Museum)
Infos über Schnabeligel (Australian Museum)

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.