Verfolgt, getötet und auferstanden

Dank der Wiederansiedlung leben wieder 220 bis 250 Bartgeier im Alpenraum. Dank der Wiederansiedlung leben wieder 220 bis 250 Bartgeier im Alpenraum.

Der Bartgeier galt früher als blutrünstigen Raubvogel und wurde so lange gejagt, bis die Population in den Alpen ausgelöscht war. Nun wird diese wieder aufgestockt.

 

Bis Anfang des letzten Jahrhunderts zuckten die Bauern zusammen, wenn von den Bartgeiern die Rede war – die scharfen Krallen, der Schnabel und der dunkle Bart der Vögel waren gefürchtet. Man nahm an, dass die Bartgeier gefährliche Beutegreifer sind, die erbarmungslos Menschen und Tiere angreifen. Die Alpenvögel wurden abgeschossen oder vergiftet, und nebenbei gab es auch immer weniger wilde Huftiere in den Alpen, womit ihre Nahrungsgrundlage fehlte. In der Folge schrumpfte der Bestand der Bartgeier drastisch. Heute jedoch weiss man, dass es sich bei ihnen um harmlose Aasfresser handelt, die sich von Knochen toter Wildtiere ernähren.

Ein wertvoller Alpenbewohner ging verloren…

Bartgeier sind imposante Tiere: Ihre Flügelspannweite liegt zwischen 2,6 und 2,9 Metern und ihr Gewicht beträgt fünf bis sieben Kilogramm. Das macht sie zu den grössten Brutvögeln des Alpenraums – noch vor dem Steinadler. Ausserdem sind sie gute Segler, welche bei ihrer Nahrungssuche die Aufwinde an den Gebirgshängen nutzen.

Durch ihre Fähigkeit, Knochen zu verdauen, tragen sie zur natürlichen Entsorgung von Tierkadavern bei. Dies sorgt dafür, dass Krankheiten sich nicht ausbreiten.

…und wurde wieder angesiedelt

Das Bild der Bartgeier wandelte sich, als man ihren Wert erkannte. Seit den 70er-Jahren gibt es deshalb Anstrengungen zur Wiederansiedlung der stolzen Alpensegler. Im Nationalpark Hohe Tauern in Österreich wurde 1986 schliesslich der erste junge Bartgeier ausgewildert. Es entstand eine Zusammenarbeit der Schweiz mit Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland, um gemeinsame Auswilderungsprogramme durchzuführen und diese zu koordinieren.

Für die Wiederansiedlung werden 90 bis 100 Tage alte Bartgeier aus Zoos oder Tierparks von Experten in eine geschützte Auswilderungsnische gebracht und dort freigelassen. In den darauffolgenden Wochen werden sie ständig überwacht und gefüttert. In dieser Zeit werden sie zunehmend selbstständiger und wagen erste Entdeckungsflüge. Diese sogenannte „Hacking-Methode“ hat sich bewährt: 88% der ausgewilderten Bartgeier überlebten das erste Jahr und erfreuliche 96% die Folgejahre. Heute leben in den Alpen wieder 220 bis 250 Tiere.

Die Auswilderung in der Zentralschweiz

Zuständig für die Auswilderung in der Schweiz ist die Stiftung Pro Bartgeier, die 1999 in Zernez gegründet wurde. Bisher wurden in der Schweiz 47 Jungtiere wiederangesiedelt. Die letzte Auswilderung geschah dieses Jahr am 17. Juni, als die beiden in Spanien gezüchteten Bartgeier Finja und Fredueli im Eidgenössischen Wildtierschutzgebiet Huetstock bei Melchsee-Frutt (Obwalden) ausgesetzt wurden. Soweit verläuft das Projekt laut Pro Bartgeier erfolgreich: Sie unternahmen schon Erkundungstouren über die Alpen, wobei Fredueli bereits den Pizol und den Eiger entdeckte. Die Flüge aller ausgesetzten Bartgeier werden mit GPS überwacht, um ihre Aktivitäten nachverfolgen zu können.

Das Projekt ist noch nicht abgeschlossen

Noch ist gemäss Pro Bartgeier die genetische Vielfalt der Tiere zu klein für eine selbsterhaltende Population. Würde man die Auswilderungen jetzt stoppen, würde dies zu Inzucht führen. Deshalb werden in den kommenden Jahren noch weitere Geier aus anderen Blutlinien ausgesetzt. Zudem wird die Bartgeierpopulation in den Alpen ständig beobachtet und deren Schutz sichergestellt. Dieser ist wichtig, denn der Bestand wächst sehr langsam: Durchschnittlich pflanzen die Geier sich erst nach 8 Jahren erfolgreich fort und ziehen danach höchstens ein Jungtier pro Jahr auf.

Mithilfe zum Schutz der Bartgeier

Vom 6. bis 14. Oktober 2018 werden die sogenannten Bartgeier-Beobachtungstage durchgeführt. Sie dienen dem Zweck, den ungefähren Bestand der Geier festzustellen und neue Tiere zu erfassen. Interessierte können der Stiftung Pro Bartgeier entdeckte Vögel melden und diese genauer beobachten. Bartgeier erkennt man an ihren langen, spitzen Flügeln, ihrem spatelförmigen Schwanz sowie ihrem weissen Körper- und Kopfgefieder.  

 

Quellen und weitere Informationen:
Stiftung Pro Bartgeier

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