Unterwasserlärm geht auch Pinguinen auf die Nerven

Der rosafarbene Fleck über den Augen, der an einen Brillenbügel erinnert, verleiht den Brillenpinguinen ihren Namen Der rosafarbene Fleck über den Augen, der an einen Brillenbügel erinnert, verleiht den Brillenpinguinen ihren Namen

Vieles über die Lebensweise von Pinguinen ist uns noch unbekannt — zum Beispiel, wie gut die Tiere hören und wie sensibel sie auf Geräusche reagieren. Forscher sind diesen Fragen nun nachgegangen.

Pinguine sind schon in viele Herzen gewatschelt. Grund genug, ihnen einen Aktionstag zu widmen: Am Sonntag dem 25. April 2021 feiern wir den Welt-Pinguin-Tag.
Dieser Gedenktag soll daran erinnern, dass viele Arten der flugunfähigen Vögel vom Aussterben bedroht sind. Der Klimawandel und der einhergehende Schwund des Meereises sowie die Überfischung und Verschmutzung der Meere machen den Tieren zu schaffen. Die Veränderungen ihrer Lebensräume zwingen Pinguine dazu, bei ihren Wanderungen zu den Brutplätzen neue Routen einzuschlagen. Dies setzt sie unbekannten Gefahren aus, die oft im Tod enden. Gleich neun der 18 Pinguinarten stehen daher mittlerweile auf der roten Liste der bedrohten Tierarten — fünf sind vom Aussterben bedroht, vier weitere gelten als gefährdet. Kürzlich haben Forscher eine weitere potenzielle Bedrohung für die niedlichen Meeresbewohner aufgedeckt.


Pinguine haben ein gutes Gehör — sowohl an Land als auch unter Wasser 

Pinguine reagieren Experten zufolge sensibel auf Geräusche über und unter Wasser. Humboldtpinguine etwa seien an der Luft für bestimmte Frequenzen ähnlich sensibel wie Menschen. Zu zusätzlichen Ergebnissen kommt das Forschungsprojekt „Hearing in Penguins“ unter Beteiligung des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund. Diese sollen Ende April bei einer Konferenz erstmals vorgestellt werden. Die beteiligten Wissenschaftler untersuchten das Hörvermögen von Pinguinen sowohl an Land wie unter Wasser und analysierten die Hörorgane anhand von Computerscans von Pinguinschädeln aus der Sammlung des Naturkundemuseums Berlin.

Zusätzlich wurden Verhaltenstest durchgeführt: Im Zoo Odense spielten die Forscher Eselspinguinen Geräusche mit ansteigender Intensität vor. Gleichzeitig beobachteten sie mit Unterwasserkameras, wie sich die Tiere während der Beschallung verhalten. Laut den Forschern würden die Tiere bei sehr leisen Signalen nur wenig reagieren, sich aber bereits bei leicht ansteigender Lautstärke deutlich erschrecken und vom Lautsprecher wegschwimmen. Erstmals wurde damit direkt nachgewiesen, dass Pinguine unter Wasser gut hören und auf Unterwasserschall bei bereits geringen Lautstärken mit Stress reagieren. Dies zeigt deutlich, dass auch tauchende Vögel sensibel auf Unterwasserschall sind und deshalb genauso wie etwa Wale und Robben vor dem Lärm des Schiffsverkehrs und Bauarbeiten auf See, aber auch vor schallverursachenden wissenschaftlichen Geräten, wie sie etwa bei geophysikalischen Erkundungen eingesetzt werden, geschützt werden müssen. Unter dem ohnehin schon anwachsenden Druck durch die Klimawandelfolgen können derlei Zusatzbelastungen über Tod und Leben entscheiden.


Welt-Pinguin-Tag
Am 25. April wird jährlich der internationale Weltpinguintag begangen. Es ist kein Zufall, dass genau dieser Tag den watschelnden Vögeln gewidmet ist: Wissenschaftler auf der amerikanischen McMurdo-Station in der Antarktis bemerkten, dass jedes Jahr am 25. April die Adéliepinguine nach vielen Monaten auf See zu ihrer Brutkolonie an Land zurückkehren — zuverlässig am gleichen Tag zur selben Stelle. Der Tag des Erscheinens der Pinguine wurde für die Forscher zu einem eigenen Feiertag, der sich nach und nach weltweit etablierte.


Pinguine leben auf der südlichen Hemisphäre. Im Gegensatz zur Nordhalbkugel ist es dort derzeit noch vergleichsweise leise unter der Meeresoberfläche. Doch es ist bekannt, dass sich der Unterwasserlärm auf Tiere, insbesondere Wale und Robben, negativ auswirkt. Die Effekte reichen von geringen Ausweichreaktionen zu gravierenden Schädigungen der Ohren und können bis zum Tod führen. Ob tauchende Vögel ebenfalls von Unterwasserlärm bedroht sind, war bisher nur vermutet, aber kaum genauer untersucht worden. Dank des Forschungsprojekts sind die Forscher nun in der Lage, die Folgen der Lärmbelastung für Pinguine sowohl an Land als auch Unterwasser besser einschätzen zu können.

 


Quellen und weitere Informationen:
IUCN: Rote Liste
Projekt "Hearing in Penguins"
Sørensen et al. (2020): Gentoo penguins (Pygoscelis papua) react to underwater sounds

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