Aufgewacht, der Gartenschläfer ist Tier des Jahres!

Das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers hat sich in den letzten 30 Jahren um mehr als 50% verkleinert. Das Verbreitungsgebiet des Gartenschläfers hat sich in den letzten 30 Jahren um mehr als 50% verkleinert.

Pro Natura kürt den Gartenschläfer zum Tier des Jahres 2022. Erfahren hat er dies aber noch nicht, denn der Gartenschläfer schlummert von November bis April.

Der Gartenschläfer (Eliomys quercinus) macht seinem Namen alle Ehre. Der rare Nager schlummert in unserer jetzigen Jahreszeit noch tief und fest. Von November bis April steckt er in Baumhöhlen und Felsspalten, aber auch in kleinsten Nischen in Mauern und Gebäuden. Besonders wohl fühlt er sich in vielfältigen Wäldern mit ausreichend Totholz, Baumhöhlen, felsigen Abschnitten und Büschen. Dieser Lebensraum ist jedoch stark in Bedrängnis.

Wo steckt der Gartenschläfer?

Auch wenn er nicht in einem tiefen Schlummer steckt, ist der kleine Nager selten anzutreffen, denn er bewegt sich erst in der Stille der Nacht. Doch dies ist nicht der einzige Grund, weshalb man ihn nicht sehr häufig sieht: Der Gartenschläfer wird immer seltener. Eigentlich kommt er in der ganzen Schweiz auf rund 1’400 Metern Höhe vor. Sein natürlicher Lebensraum, ein vielfältiger und strukturreicher Wald, ist hingegen immer seltener geworden.

Seine neue Heimat fand der Gartenschläfer, der wie der grössere Siebenschläfer oder auch der Baumschläfer und die Haselmaus zur Familie der Bilche zählt, in Kulturlandschaften mit grossen Gärten, Weidewäldern, Hochstammobstgärten, Hecken und gut zugänglichen Scheunen. Mit der Intensivierung der Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahrzehnten nun auch dieser Ersatzlebensraum dramatisch geschrumpft.

Gartenschläfer auf dem Rückzug

Der putzige, zwischen 11 und 15 cm lange Nager ist nur in Europa zu Hause. In manchen Gebieten, etwa in Osteuropa, ist er aber schon verschwunden. Auch in der Schweiz wird er immer seltener. So findet sich bereits in weiten Teilen des Mittellandes kein Nachweis auf den kleinen Allesfresser mehr. Auch in der Ost- sowie der Westschweiz wird er kaum mehr gesichtet. Trotz gesetzlichem Schutz hierzulande wurde der Gartenschläfer nicht vor einem Eintrag in die Rote Liste unter der Kategorie «fast bedroht» verschont. Jetzt ist Handeln angesagt, bevor es zu spät ist.

Zu wenig Naturwald in der Schweiz

Der Gartenschläfer und rund 25’000 weitere Arten sind auf vielfältige, wilde Wälder angewiesen. Rund ein Drittel der Landfläche in der Schweiz sind bewaldet. Nur etwa 6,3% dieser Waldfläche sind aber als Waldreservate mit Naturschutz im Vorrang gesichert. Damit ein Wald alle wichtigen ökologischen Funktionen erfüllen kann, sollte er eine Fläche von mindestens 40 Hektar, optimal 100 Hektar aufweisen. Von den 2’895 Waldreservaten in der Schweiz sind 1’743 aber nur Kleinstreservate, die kleiner als 5 Hektare sind. Immerhin gibt es bereits 26 Grossreservate — das sind Waldgebiete, deren Fläche 500 Hektare überschreiten.

Wälder dürfen wild sein

In Naturwäldern, in denen der natürlichen Entwicklung freien Lauf gewährt wird, werden Organismen, die im Wirtschaftswald zu kurz kommen — wie beispielsweise im Holz lebende Insekten und Pilze — gestärkt. Etwa ein Fünftel aller Tiere, Pflanzen und Pilze im Wald — das sind alleine schon über 6000 Arten — sind auf Totholz als Lebensraum und Nahrungsquelle angewiesen. Heute ist der Anteil an alten und abgestorbenen Bäumen und Totholz in vielen Wäldern viel zu gering. Das hat Folgen, auch für den Gartenschläfer. Ihm fehlt sein idealer Lebensraum mit Baumhöhlen, Totholz und reichhaltiger Nahrung.

Pro Natura wirbt deshalb mit dem Gartenschläfer für wilde Wälder und naturnahe Kulturlandschaften. Derzeit hat der kleine Botschafter seine kugelrunden schwarzen Augen noch für den Winterschlaf geschlossen. Wir hingegen dürfen seinen Schutz nicht verschlafen.

Quellen und weitere Informationen:
Pro Natura: Der Gartenschläfer ist das Tier des Jahres 2022

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