Feldlerche — selbst der Allerweltsvogel verstummt

Ehemals ein Allerweltsvogel, gilt die Feldlerche heute in der Schweiz als gefährdet Ehemals ein Allerweltsvogel, gilt die Feldlerche heute in der Schweiz als gefährdet

Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Feldlerche so zahlreich vertreten, dass ihre Bestände in der Schweiz als unzählbar galten. Mittlerweile ist sie auf der Roten Liste der gefährdeten Arten.

Schon seit Jahrhunderten lebt die Feldlerche (Alauda arvensis) eng mit Menschen zusammen. Die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft macht aber ihren bevorzugten Lebensraum — die Agrarlandschaft — zunehmend unbewohnbar. BirdLife Schweiz ernennt deshalb die Feldlerche zum «Vogel des Jahres 2022» als Stellvertreterin für alle Arten, die ihr Zuhause im Kulturland verlieren. 


Die Feldlerche verstummt

Vor wenigen Jahrzehnten konnte man dem melodischen Gesang der Feldlerche schweizweit  lauschen. Doch ihr Bestand ist in den letzten 30 Jahren dramatisch zurückgegangen, sodass ihr Name heute auf der Roten Liste steht. Grund dafür ist, wie so oft, die Intensivierung der Landwirtschaft: Überdüngung, intensive Nutzung und Pestizide dezimieren die Insektenpopulation und damit die Hauptnahrungsquelle der Feldlerche. Riesige Monokulturen lassen ihr keinen Platz zwischen den Setzreihen mehr. Wiesen werden so häufig gemäht, dass der Feldlerche, die im Frühling ihr Nest versteckt am Boden baut, keine Zeit bleibt, ihren Brutzyklus abzuschliessen.

 

 

Nach ihrem charakteristischen Singflug lässt sich die Feldlerche wieder zu Boden stürzen.

 

Umgestaltung der Landwirtschaft gefragt

Die Feldlerche kann nur noch vor dem Aussterben bewahrt werden, wenn sich eine weitreichende Veränderung in der Agrarpolitik durchsetzt. Das Kulturland in der Schweiz braucht dringend mehr qualitativ hochwertige Flächen, die die Biodiversität fördern — beispielsweise Ackerschonstreifen, Ackersäume mit vielfältiger Flora sowie Bunt- und Rotationsbrachen.
Um den massiven Rückgang der Artenvielfalt im Ackerland aufzuhalten, müssen aber auch die Bedingungen auf den Produktionsflächen verbessert werden. Die Reduktion der Düngung sowie der Verzicht auf Pestizide können viel bewirken. Anstelle von Monokulturen bietet eine grosse Vielfalt an verschiedenen Gemüse- und Früchtesorten mit breiter Fruchtfolge zusätzlich eine wichtige Lebensgrundlage für Insekten — und damit auch für alle nachfolgenden Tierarten in der Nahrungskette wie die Feldlerche eine ist.


Erste Projekte mit mässigem Erfolg

Vereinzelte Projekte mit BirdLife Schweiz, regionalen Landwirtschaftsbetrieben und Naturschutzvereinen konnten unter hohem personellem und finanziellem Aufwand kleinere Erfolge beim Schutz und der Förderung der Feldlerche erreichen. So lief zuletzt das Weinländer Feldlerchenprojekt im Zürcher Weinland Ende 2020 aus. Dank diesem Projekt entstanden insgesamt 13,7 Hektar Biodiversitätsförderflächen in der ausgedehnten Agrarregion. Der Rückgang der Feldlerchenpopulation konnte zwar nicht ganz aufgehalten, jedoch deutlich abgeschwächt werden. Das Projekt soll weitergeführt werden, um diese Resultate zu verbessern.

Zur langfristigen Erreichung der Erfolge reichen solche kleinen Projekte jedoch nicht aus. Die Schweizer Landwirtschaftsindustrie muss sich dringend verändern, damit die Artenvielfalt auf den Ackerflächen wieder Platz findet. Nur so kann eine nachhaltige, für Mensch und Umwelt gesunde Landwirtschaft geschaffen werden, in der Lebensmittelproduktion und lebendige Biodiversität nebeneinander Platz finden.

 

Quellen und weitere Informationen:
BirdLife Schweiz: Vogel des Jahres 2022: Feldlerche
Andelfinger Naturschutzverein (18. Mai 2021): Feldlerchenprojekt wird abgeschlossen und geht doch weiter

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