Kleine Hufeisennase: Das Hufeisen allein bringt noch kein Glück

Die Kleine Hufeisennase ist eine der kleinsten Fledermausarten der Schweiz Die Kleine Hufeisennase ist eine der kleinsten Fledermausarten der Schweiz

In der Schweiz ist die Kleine Hufeisennase bereits seit 50 Jahren stark gefährdet. Um darauf aufmerksam zu machen, ernennt sie die Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung zum «Höhlentier des Jahres 2022».

Die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) ist zurzeit noch nicht anzutreffen, denn sie schlummert in dieser Jahreszeit noch tief und fest. Bis der Frühling wieder Wärme bringt, baumelt die etwa daumengrosse Fledermaus komplett eingehüllt in ihre Flügel von der Decke in Höhlen, Stollen und Kellern, aber auch in warmen Dachböden. Besonders wohl fühlt sie sich in ungestörten Karsthöhlen und meidet dabei beleuchtete Gebiete. Mit der Ausbreitung des Menschen gelangt die Kleine Hufeisennase jedoch immer stärker in Bedrängnis.


Kleine Hufeisennase auf dem Rückzug

Ihren Namen verdankt die Kleine Hufeisennase den unverwechselbaren Hautlappen, die die Nasenlöcher umgeben. Auch wenn sie gerade nicht in einem tiefen Schlummer steckt, ist die Kleine Hufeisennase selten anzutreffen, denn sie bewegt sich erst in der dunkelsten Nacht. Doch dies ist nicht der einzige Grund, weshalb man sie nicht sehr häufig sieht: Die Kleine Hufeisennase kommt in der Schweiz sehr selten vor. Gemäss der Stiftung Fledermausschutz stand die Schweizer Hufeisennasen-Population vor 50 Jahren kurz vor dem Aussterben. Heute gibt es zwar in den Kantonen Wallis und Graubünden, Obwalden und Bern wieder kleinere Bestände, nichtsdestotrotz ist diese Fledermausart hierzulande auf der Roten Liste als «stark gefährdet» eingetragen und gilt als prioritär zu schützende Art auf nationaler Ebene.

Lebensraumverlust durch die Siedlungsausbreitung, Lärm- und Lichtverschmutzung sowie energieraubende Störungen im Winter durch Höhlentourismus, die tödlich enden können, machen der Kleinen Hufeisennase weiterhin stark zu schaffen. Zudem raubt ihr die industrialisierte Landwirtschaft durch den Einsatz von Pestiziden die kleinen Käfer, Fliegen und Nachtfalter, die ihr als Hauptnahrungsquelle dienen. Die Pestizide vergiften auch die Fledermäuse selbst.


Standorttreue Dachbewohner

Die Kleine Hufeisennase ist äusserst standorttreu und jagt vor allem in Laubwäldern und halboffenen Landschaften wie Parks, Alleen und Streuobstwiesen, die sich in der Nähe ihrer Quartiere befinden, nach kleinen Insekten. Sie meidet dabei beleuchtete Gebiete, wie es ihre Anpassung an völlige Dunkelheit ihr erlaubt. Um ihre Jungen aufzuziehen, ziehen sich Weibchen während der Sommerzeit in Dachböden zurück. Diese müssen aber gift-, störungs-, und zugluftfrei gestaltet sein, um geeignete Quartiere abzugeben. Ein Muttertier gebärt nur ein einziges Junges, und dies nicht einmal jedes Jahr. Umso wichtiger ist es, dass geeignete Wochenstuben vorhanden sind.


Botschafterin für Höhlentiere

Die Schweizerische Gesellschaft für Höhlenforschung (SGH) hat die Kleine Hufeisennase mit ihrer namensgebenden Nasenform zum «Höhlentier des Jahres 2022» gewählt. Die Art stehe nicht zuletzt auch stellvertretend für die grosse Zahl von Tieren, die auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen seien. Unter den bislang ausgezeichneten Höhlentieren ist die Kleine Hufeisennase das erste Säugetier.

 

Quellen und weitere Informationen:
Cavernicola: Höhlentier des Jahres 2022
Stiftung Fledermausschutz: Kleine Hufeisennase

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