Zugvögel: Abenteurer in Gefahr

Am 14. Mai war Weltzugvogeltag: Der Aktionstag will auf die zahlreichen Bedrohungen, denen Zugvögel immer noch ausgesetzt sind, aufmerksam machen.

Zugvögel sind die geborenen Abenteurer: Schon lange bevor wir die Ozeane überquerten, geschweige denn die Lüfte eroberten, reisten sie schon tausende von Kilometer Richtung Süden.

Reisewarnung für Mittelmeerstaaten

Zugvögel machen die Hälfte unserer einheimischen Vogelarten aus. Ihre Reiseziele sind zwar alle warm, liegen aber dennoch sehr weit auseinander. Während das Rotkehlchen sich mit den im Winter nur bedingt milden Mittelmeertemperaturen begnügt, zieht etwa die Nachtigall bis südlich der Sahara, ins tropische Afrika. Die meisten Langstreckenflieger, wie die Nachtigall einer ist, zieht es nach Afrika. Dennoch gibt es auch wenige Vogelarten, die ihre Winterresidenz in Asien haben. So etwa der Rosenstar oder die Waldammer.

Der Klimawandel verändert das Zugverhalten der Vögel. So kehren heute viele Vögel rund zwei Wochen früher von ihrem Winterquartier zurück als noch vor 40 Jahren. Sogar die Reiseziele der Zugvögel verändern sich – die früher bei den Mönchsgrasmücken so beliebte Mittelmeerregion wird immer mehr durch das mittlerweile recht milde Grossbritannien ersetzt. Das liegt wohl auch an der Gastfreundschaft der Engländerinnen und Engländer, denn in England sind die kleinen Singvögel äusserst gern gesehene und respektierte Saisongäste und werden mit Vogelfutter angelockt. In der Mittelmeerregion hingegen werden sie oftmals selber zur Delikatesse: An der ägyptischen Mittelmeerküste beispielsweise werden jeden Herbst rund 140 Millionen Zugvögel in Netzen gefangen, die über 700 km an der Küste aufgespannt sind. So endet die Reise nach Afrika für jeden 17. Europäischen Zugvogel in einem ägyptischen Netz. Bei dieser grossangelegten und systematischen Jagd erstaunt es wohl niemanden, dass Zugvögel stärker bedroht sind als unsere Standvögel.

Klimawandel zwingt Vögel zu tödlichem Zwischenstopp

Auch der Klimawandel stellt für viele Zugvogelarten eine grosse Bedrohung dar. Laut Experten wird die Nachtigall aufgrund der fortschreitenden Wüstenbildung (Desertifikation) im Jahr 2070 rund fünf Tage länger brauchen, um die Sahara zu überqueren.  Was im ersten Moment vielleicht nicht dramatisch klingt, wird für viele Nachtigallen tödlich enden. Bereits heute verzehren kleine Langstreckenzieher beim Überfliegen der Sahara ihre gesamten Fettreserven. Sie werden in Zukunft gezwungen sein, einen Zwischenstopp einzulegen – dabei allerdings keine Nahrungsquellen auffinden.
Auch in unseren Breiten macht Zugvögeln der Lebensraumverlust zu schaffen. Hier verschwinden Lebensräume zwar nicht durch Wüstenbildung, aber durch Intensivierung der Landwirtschaft oder den Verlust von Kleinstrukturen.

Für Kurzstreckenflieger ist der Klimawandel ebenfalls nicht unproblematisch. Diese kommen aufgrund der milden Temperaturen teilweise sehr früh im Jahr zurück, wenn hier noch zu wenig Nahrung vorhanden ist.

Angezogen von der Stadt

Nicht nur die Wüste zehrt an den Kräften der Zugvögel; auch unsere Städte stellen gefährliche Hindernisse dar. Die Lichter führen sie in die Irre und sorgen nicht selten dafür, dass ein Vogel mit einem Gebäude kollidiert. Wenn der nächtliche Ausflug in die Stadt nicht tödlich endet, war er zumindest sehr anstrengend. Leider werden unsere Städte sogar immer noch heller, die globale Lichtverschmutzung steigt pro Jahr um mindestens 2 Prozent an. Im Zuge der offiziellen Kampagne zum Weltzugvogeltag 2022 wurde ein eindrückliches Video veröffentlicht, das die Gefahren aufzeigt, die einem Zugvogel in der Stadt begegnen.

Zugvögel haben alles andere als ein langweiliges Leben. Ihre Reisen waren schon immer abenteuerlich, in letzter Zeit aber mit immer noch mehr Gefahren verbunden. Wenn die aktuellen Entwicklungen weiter ihren Lauf nehmen, werden leider immer weniger Zugvögel die gefährliche Reise in den Süden überleben.

Quellen und weitere Informationen:
World Migratory Bird Day WMBD
WMBD: Kampagne 2022
Vogelwarte Sempach
NABU: Infopapier Vogelzug

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