Zwei Jahre nach Fukushima - Die Katastrophe ist noch lange nicht vorbei

11 Mär 2013

Am 11. März 2011 haben ein starkes Erdbeben und der darauffolgende Tsunami in Japan einen Super-GAU im Kernkraftwerk Fukushima ausgelöst. Zwei Jahre danach ist die Katastrophe weitgehend aus den Medien verschwunden – in Japan ist sie noch lange nicht vorbei.

Die Tsunami-Welle, die von einem Erdbeben der Stärke neun auf der Richterskala ausgelöst wurde, war die grösste, die Japan je erlebt hat. Mit einer Höhe von bis zu 15m übertraf die Flutwelle alle Katastrophenszenarien der Atomanlage bei weitem. Das Erdbeben und der Tsunami lösten eine Serie von Unfällen aus, die schliesslich – über einen kompletten Stromausfall – zur nuklearen Katastrophe führten.
 
Der kürzlich erschienene Dokumentarfilm Fukushima - Chronik eines Desasters hat die Ereignisse vom März 2011 mithilfe von zahlreichen Berichten beteiligter Personen nachgestellt. Der Film zeigt auf, wie vieles an jenem Tag in Fukushima komplett ausser Kontrolle geraten ist. Er macht so auf grosse Wissenslücken und Risiken der nuklearen Energie aufmerksam, welche allzu oft unterschätzt werden. Leider werden die Risiken von der Atomlobby kleingeredet und wichtige Information zurückgehalten. Mit Problemen der Wasserversorgung des Reaktorgefässes bei einem kompletten Stromausfall hat man beispielsweise in einem US-amerikanischen AKW bereits Erfahrung gesammelt. Die entsprechenden Methoden wurden trotz des in der Branche bekannten Risikos aber in den meisten Kraftwerken nicht angepasst, offenbar weil bisher noch keine bessere Lösung gefunden wurde – auch nicht in Fukushima. Eben diese Gefahrenpotenziale waren schliesslich mitverantwortlich für die Katastrophe. Die „fortschrittlichste Technologie“ der modernen Zivilisation erzeuge „Katastrophenpotenziale, die sich unserem Vorstellungsvermögen und unserer politischen Verantwortung entziehen“ sagt der Soziologe Ulrich Beck zur Nuklearenergie.

Durch das Erdbeben und den Tsunami vor zwei Jahren haben rund 20‘000 Menschen ihr Leben gelassen und viele weitere Tausend ihr Zuhause verloren. Die Folgen der nuklearen Katastrophe werden jedoch noch über Jahrzehnte, vielleicht sogar Jahrhunderte, zu spüren sein. Dabei ist nicht in erster Linie die Verseuchung von aussen – durch radioaktiv verseuchte Luft – entscheidend, sondern vorallem die Kontamination des menschlichen Organismus von innen, primär über die Nahrungsmittel- und Trinkwasseraufnahme. Diese Verseuchung zieht sich über Generationen hinweg, wie das Beispiel von Tschernobyl zeigt, wo 25 Jahre nach der Katastrophe viele Opfer noch nicht einmal geboren sind. Ein grosses Problem seien z.B. die kleinen, „ungefährlichen“ Strahlungswerte, betont der Arzt Michel Fernex. Nahrungsmittel, deren radioaktive Belastung unter einem gewissen Grenzwert liegt, gelangen direkt in den Verkauf. Da sich das Cäsium – sowie auch andere Stoffe, wie z.B. Uran – über die Zeit im Körper anreichert, und über Langzeitfolgen sehr wenig bekannt ist, machen diese Grenzwerte gerade bei jungen Personen jedoch wenig Sinn (vgl. Dokumentarfilm Die Welt nach Fukushima).

Auch die nuklearen „Aufräumarbeiten“ an der Fukushima-Ruine stellen sich als äusserst schwierig heraus. Zwei Jahre nach der Katastrophe konnte mit den eigentlichen Dekontaminierungsarbeiten offenbar noch gar nicht begonnen werden. Obwohl die Betreiberfirma Tepco stets den Eindruck vermittelt, sie habe die Lage im Griff – die Strahlenwerte um das AKW sind immer noch tödlich hoch. Ein grosses Problem besteht z.B. darin, dass täglich 400 Tonnen Grundwasser von den umliegenden Hügeln bislang ungehindert in die Reaktorgebäude strömen und verseucht werden. Weitere 400 Tonnen Wasser werden täglich eingesetzt um die geschmolzenen Kerne zu kühlen. So sammeln sich grosse Mengen an stark kontaminiertem Wasser an, die in riesigen Tanks auf dem Gelände gelagert werden müssen. Was später damit passieren soll, ist heute ein grosses Rätsel... So wie die Zukunft der gesamten Region um das zerstörte Kraftwerk. Der Rückbau der Atomkraftwerke allein dürfte nach neusten Erkenntnissen weit über 30 Jahre dauern.

Weiterführende Links
Arte Dok Fukushima - "Chronik eines Desasters", 7. März 2013.
Arte Dok "Die Welt nach Fukushima", 5. März 2013.

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