Von rollenden Dreckschleudern und lärmenden Sportwagen

Mit ihren sogenannten Coal Rollers wollen die Fahrer von Pick-up-Trucks Umweltschützer provozieren Mit ihren sogenannten Coal Rollers wollen die Fahrer von Pick-up-Trucks Umweltschützer provozieren

‘Rolling Coal‘ ist ein neuer Trend aus Amerika. Die getunten Pick-Up-Trucks stossen riesige schwarze Rauchwolken aus, um die Fahrer von Hybridautos aus Fernost zu provozieren. Links liegen gelassen wird dabei der Umweltschutz. In der Schweiz hat man hingegen den lärmenden Sportwagen den Kampf angesagt.

Ein neuer Trend aus Amerika soll Umweltaktivisten und –politiker das Fürchten lehren. Einmal aufs Gaspedal drücken, und schon ärgern sie ihre Feinde – ‘treehugger‘ und andere Kommunisten – mit einer schwarzen Rauchwolke. Die sogenannten ‘Coal Roller‘ (Kohlewalzen) sind modifizierte Pick-up-Trucks und fahren als politisch inkorrekte Dreckschleudern in der Gegend herum. In den konservativen Teilen Amerikas erfreut sich das ‘Rolling Coal‘ grosser Beliebtheit. Auf den Strassen in Wisconsin, Iowa und Alabama spricht man sogar von einer neuen Subkultur. Bereits ab 500 Dollar kann man seinen Pick-Up zum schwarzen Raucher umbauen. Für die Umrüstung benötigt man lediglich einen speziellen Auspuff und ein paar Zubehörteile. Der Motor wird so angepasst, dass mehr Kraftstoff zur Verfügung steht und ein Teil davon nicht verbrennt. Dies erzeugt eine riesige Wolke aus schwarzen Russpartikeln, die aus dem Auspuff strömt. Mit der Entfernung des Dieselpartikelfilters wird der Effekt noch zusätzlich verstärkt.

Die Regeln zur Luftverschmutzung sind in den US-Bundesstaaten relativ lax. In Texas werden Fahrzeughalter erst bestraft, wenn ihre Fahrzeuge länger als zehn Sekunden “übermässigen Rauch“ ausstossen. Weiter ist dieser Trend für die Umwelt äusserst problematisch, denn mit der Modifikation verbrauchen die Trucks rund das Doppelte an Treibstoff. Ihren Zweck, Umweltschützer zu schockieren, erreichen die Kohlewalzen also zielgerecht.

„Es ist völliger Unsinn, wenn gewisse Autofahrer im Namen einer falsch verstandenen Männlichkeitsidee übermässigen Lärm veranstalten können.“

Gerhard Tubandt, Sprecher des Verkehrs-Club der Schweiz

Ein Anlass also wieder einmal, mit etwas angeekelt faszinierter Verwunderung nach den USA zu schielen. Doch vielleicht sollten wir uns von dieser Einnebelung nicht zu lange ablenken lassen und stattdessen die eigenen Fortschritte begutachten. In der Schweiz sind in im letzten Jahr weniger Neuwagen eingelöst worden, doch trotzdem ist der Fahrzeugbestand angewachsen. Am langjährigen Stichtag (30. September) waren auf 1‘000 Einwohner 539 Personenwagen eingelöst. In Liechtenstein sind es sogar 744 Personenwagen auf tausend Einwohner. Der Gesamtbestand an Strassenfahrzeugen beläuft sich in der Schweiz auf 5,8 Millionen Fahrzeuge. Der Anteil an Elektro- und Hybridfahrzeugen ist im Vergleich zu den andern Motorfahrzeugen leider noch sehr gering, doch hat sich der Anteil an Elektrofahrzeugen im letzten Jahr fast verdoppelt.

EU verpflichtet die Schweiz EU-Grenzwerte für Motorfahrzeuge zu übernehmen

Eine neue Regelung, die per 1. Juli 2016 in Kraft tritt, verlangt, dass Sportwagen in der Schweiz und EU nicht lauter als herkömmliche PKWs sein dürfen. Der Grenzwert ist auf 75 Dezibel festgelegt. Zurzeit ist die Polizei gegen den “begeisternden“ Sound machtlos. Gerhard Tubandt, Sprecher des Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) zeigt sich über die Einführung gegenüber dem TAZ erfreut: „Es ist völliger Unsinn, wenn gewisse Autofahrer im Namen einer falsch verstandenen Männlichkeitsidee übermässigen Lärm veranstalten können. Wir sind heutzutage ständig Lärm ausgesetzt, der uns stresst und krank macht. Und die mit Abstand wichtigste Lärmquelle ist gemäss dem Bundesamt für Umwelt der Strassenverkehr.“

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