Buholz macht dem Dreck den ARAus

Der Tower und zwei Becken der ARA Buholz Der Tower und zwei Becken der ARA Buholz

In der Schweiz fallen unglaubliche Mengen von Abwasser an. Glücklicherweise wird der Grossteil davon gesäubert, bevor er in die Gewässer entlassen wird. Heute reinigt alleine die ARA Buholz 100 Millionen Liter Abwässer – täglich!

Eine Abwasserreinigungsanlage (ARA) nimmt Abwässer aus Siedlungen, Gewerbe und zum Teil aus der Industrie auf, entfernt möglichst alle Schadstoffe und entlässt das gesäuberte Wasser in das nächste Fliessgewässer.

Die ARA Buholz, die das Abwasser von rund 180‘000 Einwohnern der Gemeinden Adligenswil, Emmen, Horw, Kriens, Luzern, Malters, Meggen und Rothenburg reinigt, ist nicht nur die grösste ARA der Zentralschweiz, sondern auch eine Pionierin. Im Januar 2005 nahm sie die erste Biogas-Aufbereitungsanlage der Schweiz in Betrieb. Seither wird jedes Jahr Biogas äquivalent zu 390‘000 Litern Benzin ins Erdgasnetz eingespeist. (Das Gas wird hauptsächlich als Autotreibstoff verwendet). Um dies zu ermöglichen, wurde die Anlage aus dem Jahr 1974 ab 2000 ausgebaut.

Stufe um Stufe sauberer

Die erste Reinigungs-Stufe einer ARA ist immer eine physikalische. Mit Rechen werden Grobstoffe entfernt – täglich um die zwei Tonnen. Was hier anfällt, wird nass in die Kehrichverbrennungsanlage (KVA) geliefert und dort verbrannt. Damit das Feuer in der KVA ordentlich weiterbrennt, muss der nasse Abfall vor dem Einfüllen in die Öfen mit trockenem vermischt werden.

Ungewöhnliches und unappetitliches Rechengut Entsorgen Sie bitte nie Essensreste oder Speiseöl in der Toilette. Die einzigen, die sich daran erfreuen, sind die Ratten in den Abwasserkanälen. Keine schöne Vorstellung.
Abgesehen vom WC-Papier werden leider auch Hygieneartikel wie Windeln, Binden und Tampons – die direkt in den Abfall gehören würden – ins Klo gespült. Auch ungewöhnliche Dinge wie Mobiltelefone, dritte Zähne und Uhren werden in der ersten Reinigungsstufe der ARA herausgefischt. Wenn einem beim Husten aus Versehen das Gebiss in der Schüssel landet, muss man es unbedingt vor dem Spülen wieder herausholen, sonst ist es verloren.
Schmuck, Sackmesser, Portemonnaies und Mobiltelefone finden sich vorwiegend nach grossen Strassenfesten – wie der Fasnacht – im Rechengut. Dies, weil das in den Strassenschächten gesammelte Wasser letztlich auch in der ARA landet. Einzig an grossen Verkehrsknotenpunkten wie dem Seetalplatz müssen die Strassenabwässer zusätzlich vorgeklärt werden.

Das erste Becken ist ein Sandfang. Hier sinken Sand und Kiesel zu Boden. Regelmässig wird der Bodensatz zusammengestossen und abgetrennt. Das Gesteinsmaterial wird anschliessend gereinigt und deponiert. Die Vorschriften untersagen deren Weiterverwendung.

Das zweite physikalische Becken ist das Vorklärbecken. Da hier das Wasser langsamer fliesst, setzen sich selbst Feststoffe, die kleiner als Sand sind, auf dem Grund ab. Auch diese werden am Grund ‘zusammengekehrt‘. Von dort werden sie für die Biogasproduktion in den Faulturm für Klärschlamm gebracht.

Das Abwasser gelangt nun vom Vorklärbecken ins Biologiebecken. Dort warten im sogenannten Belebtschlamm Milliarden von Mikroorganismen auf Schmutz, den sie zum fressen gern haben.

Das mittlerweile ziemlich saubere Wasser wird als letztes in ein Nachklärbecken geleitet. Hier findet die chemische Fällung von Phosphat statt. Zudem setzt sich der Belebtschlamm ab. Das nunmehr saubere Wasser wird in die Reuss eingeleitet – 1400 Liter pro Sekunde.

Der abgesunkene Belebtschlamm wird in das Biologiebecken zurückgeführt. Da sich die Mikroorganismen im Biologiebecken nicht nur am Schmutz gütlich tun, sondern sich auch vermehren, werden es immer mehr. Der überflüssige Belebtschlamm wird, wie der Klärschlamm aus dem Vorklärbecken, in den Faulturm geleitet. Jährlich landen 100‘000 m3 Schlamm in den Faultürmen der ARA Buholz. Daraus lassen sich 2 Millionen m3 Biogas gewinnen. 62 % davon sind Methan, 38 % Kohlenstoffdioxid.

Fernwärme und Biogas erhöhen Nachhaltigkeit

Der ausgefaulte Klärschlamm kann nicht mehr in der Abwasserreinigung eingesetzt werden, er wird in der eigenen Schlammverbrennungsanlage (SVA) mit Hilfe eines Teils des selber produzierten Biogases verbrannt. Die nach der Verbrennung übrig bleibende Schlacke wird in eine Deponie geliefert. Die Menge ist jedoch sehr gering - mit Ausnahme der mineralischen Bestandteile verbrennt der Schlamm praktisch rückstandslos.

An die ARA Buholz ist ein Blockkraftheizwerk angehängt, welches mit dem produzierten Erdgas Strom für 800 Haushalte erzeugt. Ausserdem wird die Ruag Aerospace über eine Fernwärmeleitung mit jährlich 710 MWh Wärmeenergie für ihren Forschungskanal versorgt– dies entspricht 70‘000 Litern Erdöl. Die ARA wird mit dem eigenen Biogas beheizt. Bis 2005 musste trotz dieser diversifizierten Nutzung ein grosser Teil des Biogases ungenutzt abgefackelt werden. Seither wird, wie oben schon erwähnt, jährlich 540‘000 m3 Klärgas aufbereitet und als Biogas ins Erdgasnetz eingespeist. Diese Menge entspricht einem Energiewert von zirka 390‘000 Litern Benzin.

Wir haben bereits Anfang September über das neue Gewässerschutzgesetz berichtet. Es bestimmt, dass in den nächsten zwanzig Jahren eine zusätzliche Reinigungsstufe zur Entfernung von Spurenstoffen (Medikamente, Hormone) in 100 der 700 Schweizer ARAs eingebaut werden muss. Laut Herrn Hutter vom Abfallverband Real Luzern finden auch in der ARA Buholz Gespräche dazu statt. Bevor Investitionen im mehrstelligen Millionenbereich getätigt würden, warte man jedoch die Erfahrungen der volltechnischen Ozonanlage der ARA Neugut

Bildergalerie

  • Click to enlarge image 15_11_27_08 dsc03263_Biogas_Lolo.jpg Im Januar 2005 nahm die ARA Buholz die erste Biogas-Aufbereitungsanlage der Schweiz in Betrieb. (Foto: REAL)
  • Click to enlarge image 15_11_27_11 Speiseresten_Lolo.jpg WC-Papier und vieles was nicht ins Klo gehört, bleibt in den Rechen der ARA hängen. (Foto: REAL)
  • Click to enlarge image 15_11_27_12 Rechen 2 Verstopfung unten_Lolo.jpg Werden 'ungeeignete' Dinge über das Abwasser entsorgt, kann der Rechen der ARA schon mal eine Verstopfung kriegen. (Foto: REAL)

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