Der Frieden schützt die Umwelt – und umgekehrt

Das Einrichten von Naturschutzgebieten als innovatives Instrument zur Friedensschaffung Das Einrichten von Naturschutzgebieten als innovatives Instrument zur Friedensschaffung

Vor dem Hintergrund gewalttätiger Konflikte im Nahen Osten, Zentralafrika und Südostasien blicken wir auf die Situation des Naturschutzes. In Krisengebieten werden oftmals massive Schäden an Flora und Fauna verursacht. Umweltaktivismus mitten im Krieg ist ein schwieriges Unterfangen. Doch nicht ohne Erfolge und Perspektive. 

Der syrische Bürgerkrieg verwüstet seit nunmehr fünf Jahren das nahöstliche Land fast vollständig, fordert hunderttausende von Toten und treibt die Bevölkerung zur Flucht. Die Kriegskatastrophe führte zum Zusammenbruch ganzer Städte, ihrer Infrastruktur und der Wirtschaft. Vor Ausbruch des Konflikts war Erdöl Syriens wichtigstes Exportprodukt. Seit Rebellengruppen die meisten Ölfelder im Osten Syriens kontrollieren, werden mangels ausgebildeten Fachleuten Zivilisten und Kinder eingesetzt, um Rohölreserven zu fördern. Durch die unsachgemässe Förderung entweicht giftiger Rauch, wodurch saurer Regen den Boden grossflächig verseucht. Es fehlt auch an Experten zur Instandhaltung der alltäglichen Versorgungssysteme. In den Strassen der Grossstädte türmt sich der Müll und die meisten Wasseraufbereitungsanlagen stehen still oder wurden zerstört. Die Gewässer werden durch giftige Sprengstoffmaterialen zusätzlich verunreinigt. Für die lokalen Ökosysteme bedeutet der Krieg der totale Zusammenbruch.

Aus vergangenen Konflikten sind die langanhaltenden Folgen für die Umwelt bestens dokumentiert. Im benachbarten Irak schädigte der Einmarsch US-amerikanischer Truppen und der darauffolgende Krieg 2003 das Ökosystem derart, dass es sich bis heute nicht erholt hat. Für den Gebrauch als Energieträger wurden Wälder gerodet, mit denen ein grosser Teil der Biodiversität verlorenging. An ihrer Stelle lässt sich seither Wüstenbildung beobachten. Bis heute leiden die Menschen an den Kriegsfolgen. Deutlich gestiegene Krebsraten und Geburten von Kindern mit Missbildungen in den betroffenen Gebieten zeugen vom verschmutzten Grundwasser, freigetretenem Giftmüll und von Schadstoffen radioaktiver Uranmunition. Der andauernde Konflikt im Irak schadet der Biosphäre zusätzlich und setzt die Verwüstung einzigartiger Landstriche fort. Die ökologischen Auswirkungen von Kriegen sind dramatisch und genauso wie viele andere Schäden oft irreparabel.

Die Friedenstaube nistet im Naturschutzgebiet

Zu Beginn der 90er Jahren entstanden in Europa zahlreiche Initiativen für grenzüberschreitende Zusammenarbeit zum Schutz der grünen Grenzen. Namentlich in Deutschland existiert mit dem grünen Band ein Naturschutzprojekt, das den durch den Kalten Krieg entstandenen, weitgehend naturnah belassenen Grenzstreifen schützt. Das Band bietet heute Lebensraum für eine beachtenswert hohe Anzahl verschiedener Tiere und Pflanzen, auch solchen, die bereits als ausgestorben galten. Ausserdem entfaltete das Projekt integrative Wirkung. Ähnliche Bemühungen gibt es seither an vielen Grenzverläufen in Osteuropa. So werden wichtige Lebensräume nicht einfach durch Grenzzäune unterbrochen und gemeinsame Schutzgebiete in Österreich, Tschechien, Ungarn und an vielen Orten mehr realisiert und betreut.

1997 stellte Projektpate Nelson Mandela die Peace-Parks-Foundation vor, die mit grenzüberschreitenden Schutzzonen nicht nur die Natur und Kultur zu bewahren, sondern auch eine friedliche Kooperation zwischen benachbarten Staaten zu fördern versucht. Dabei beteiligen sich zwölf Süd- und Zentralafrikanische Staaten, die zusammen bereits weit über 20 Peace-Parks auf dem Kontinent realisiert haben. Darunter die Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area, welche sich mit einem Gebiet in der Grösse Italiens über Angola, Botswana, Namibia, Sambia und Simbabwe erstreckt.

Doch das wohl erfolgreichste Beispiel befindet sich zwischen Amazonas und Andenzug, entlang der peruanisch-ecuadorianischen Grenze. Der 7980 Hektaren grosse El-Cóndor/Santiago-Comaina-Park entstand 1998 nach zähen Verhandlungen und drei vorangegangenen Kriegen um einen unklaren Grenzverlauf von 78km mitten im Amazonas. Heute befinden sich die Grenzposten an den Rändern des Parks und der Verlauf steht fest. Da beide Seiten den umstrittenen Grenzteil zum `unberührbaren` Naturschutzgebiet erklärt haben, spielt es nun auch keine Rolle mehr, welcher Nation wie viel Quadratmeter an Dschungel zusteht. Die Peace-Parks entwickeln sich mehr und mehr zum innovativen Instrument zur Friedensschaffung, das langsam auch in der internationalen Diplomatie Raum gewinnt.

So werden bereits ähnliche Schutzzonen für die israelisch-syrische Grenze (Golanhöhen) diskutiert. Auch besteht Hoffnung auf einen Peace Mountain am Hindukusch, wo sich Indien und Pakistan seit Jahren um den Siachengletscher in Kaschmir bekämpfen – auf 6400 Metern über Meer. Die demilitarisierte Zone entlang der Innerkoreanischen Grenze (248 Kilometer lang und 4 Kilometer breit) hat sich zu einem Reservat der Biodiversität zurückentwickelt. 1200 Pflanzenarten sind dort zu Hause, 50 Arten von Säugetieren, 80 Fischarten und Hunderte von Vogelarten, viele von ihnen selten oder vom Aussterben bedroht. Da beide Seiten keinen direkten Nutzen aus einem Naturpark auf dem Grenzstreifen ziehen können, stehen auch hier die Chancen für die Realisierung eines Naturparks nicht schlecht.

Doch die politischen Rahmenbedingungen für Peace-Parks sind meist schwierig und ihre Umsetzung nicht leicht zu bewerkstelligen. Es besteht immerhin Hoffnung auf weitere Reservate. Nelson Mandela zu den Peace-Parks: „Es ist ein Konzept, bei dem sich alle die Hände reichen können“. 

Weitere Informationen:
Naturschutz - (Aus)Löser von Konflikten?
peace parks             
wozu

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.