Allein im Meer Daheim

Gibt es bald weder Fische noch Fischer? Gibt es bald weder Fische noch Fischer?

 Der andauernde Raubbau an den Fischbeständen gelangt allmählich an sein Ende. Für viele Fischer sind die tiefen Fangquoten bereits existenzbedrohend. Vielerorts sind die Bestände ganzer Arten völlig eingebrochen und können sich bei anhaltender Fischerei nicht mehr erholen.

Zwischen 1950 und 1990 vervierfachte sich die Fangmenge der marinen Fischerei auf 80 Millionen Tonnen. Seit den 90er Jahren brach die kontinuierliche Fangmengensteigerung ab. Heute werden im Fischerei- und Aquakultursektor jährlich etwa 140 Millionen Tonnen Fisch gefangen. Der Aquakultursektor gehört mit einem jährlichen Wachstum von etwa sieben Prozent zu den am stärksten expandierenden Lebensmittelsektoren. Sein Anteil an der für den Verzehr bestimmten globalen Fischproduktion beträgt heute mehr als 40 Prozent. Allerdings sind viele der in Aquakultur gezüchteten Fische Raubfische und benötigen andere Fische als Futter. Wild gefangene Fische werden deshalb zur Fütterung eingesetzt. Auch dienen junge Wildfische den Betreibern als Besatz für Aufzuchten. Die Aquakultur nimmt so ihren Anteil an der Überfischung der Meere.

Der Ausbau der marinen Fischerei hat erheblich zum Schrumpfen und teilweise zum Zusammenbruch der weltweiten Fischbestände beigetragen. Von der Überfischung sind insbesondere langlebige Arten wie etwa der Rotbarsch betroffen, die erst in hohem Alter Nachkommen zeugen. Immer effizientere Fangtechniken und technisch verbesserte Hilfsmittel zur Ortung der Fischschwärme sowie steigende Motorleistungen der Fangschiffe kennzeichnen den infrastrukturellen Fortschritt der Fangindustrie.

Der Bau grosser Fabrikschiffe macht es möglich, enorme Mengen Fisch noch auf See einzufrieren. So können Schiffe auch fernab der Landungshäfen auf Fischfang gehen. Die Weiterentwicklung der Fangtechniken führt auch dazu, dass in immer größeren Tiefen gefischt werden kann. Aufgrund mangelnder Alternativen greift die kommerzielle Fischerei ausserdem zunehmend auf Spezies zurück, die bislang als unrentabel, minderwertig oder als für den Verzehr nicht geeignet galten.

Schutzgebiete und Zertifizierungen

 Verschiedene Studien zu marinen Schutzgebieten haben gezeigt, dass diese durchaus wirkungsvoll zur Erholung von Fischbeständen beitragen können. Solche geografisch abgegrenzten Bereiche des Meeres lassen sich verhältnismässig einfach einrichten und überwachen. Doch ergeben sich regelmässig Probleme bei der Grössengestaltung dieser Schutzgebiete. Sind sie zu klein geplant, wandern die Fische aus dem Lebensraum, worauf am Rand der Schutzgebiete höhere Fangaktivitäten beobachtet werden können. Werden die Gebiete allzu grosszügig eingerichtet, kann die Fischerei entstehende Überkapazitäten nicht mehr nutzen. Ausserdem stellt es für Experten eine Herausforderung dar, die richtigen Plätze zur Errichtung von Schutzgebieten zu finden. Die Ansprüche an ihren Lebensraum seien bei vielen Fischen um einiges komplexer, als dass es genüge, fixe Schutzgebiete einzurichten.

Privatwirtschaftlich geförderte Initiativen und diverse NGOs verfolgen einen anderen Lösungsansatz: Durch Informationskampagnen und der Zertifizierung nachhaltiger Fischereiprodukte soll die Konsumentennachfrage so beeinflusst werden, dass überfischte Arten weniger nachgefragt und stattdessen Produkte aus nachhaltiger Fischerei gewählt werden. Dabei sollen die Produzenten aufgrund veränderter Kundennachfrage für nachhaltiges Wirtschaften motiviert werden. Die Zertifizierung ist an bestimmte Produktionskriterien gebunden. Solche sind beispielsweise der Verzicht, gefährdete Bestände zu befischen oder destruktive und besonders kritische Fangtechniken (Grundschleppnetze) einzusetzen.

An Zertifizierungsansätzen werden jedoch oftmals unzureichende ökologische Anforderungen für Fischereiprodukte bemängelt. Auch ob die Nachfrage nach zertifiziertem Fisch die Nachfrage nach konventionell gefangenem Fisch tatsächlich ersetzt oder eher zu einer zusätzliche Nachfrage führt, ist umstritten. Insgesamt aber können nachfrageorientierte Ansätze ein gutes Fischereimanagement sinnvoll ergänzen. Als Massnahme für sich genommen sind sie unzureichend.

Die Ökonomie der Fischereiwirtschaft

Der Ausbeutung der Meeresbewohner dieses Ausmasses liegt eine wichtige Tatsache zugrunde. Bei Meeresbeständen handelt es sich um eine sogenannte Gemeinschaftsressource. Weil der Fisch einen volkswirtschaftlichen Wert hat, da er sich im Meer reproduziert, an Gewicht zunimmt und somit den zukünftigen Fangertrag steigert, müsste er auch einen Preis haben. In einer offenen, vollkommen unregulierten Fischerei bezahlt jedoch niemand diesen wahren volkswirtschaftlichen Preis und es wird deutlich mehr gefangen, als ökonomisch sinnvoll ist.

Existiert ein Fischbestand von einer Grösse, die den maximalen ökonomischen Ertrag erlaubt, entsteht für den Fischer starker Anreiz, zusätzliche Schiffe einzusetzen oder zusätzliche Schichten zu fahren, um so seinen persönlichen Gewinn weiter zu erhöhen. Der Aufwand wird so lange gesteigert, bis für praktisch keinen Fischer mehr Gewinne möglich sind. Staatliche Beihilfen zur Aufrecht-erhaltung der Fischerei senken die individuellen Kosten der Fischer mittels Treibstoff-vergünstigungen oder Zahlungen im Zuge von Modernisierungsprogrammen. Dafür werden weltweit jährlich knapp 10 Milliarden US-Dollar gezahlt.

Zahlreiche Staaten subventionieren weiterhin Walfang und Fischerei auf bedrohte Arten, obschon die Nachfrage abnimmt. Sie schaffen eine künstliche Nachfrage, die erst durch das Angebot entsteht. 

Weitere Informationen:
worldoceanreview

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