Von den Rohstoffen zum Klimawandel und zurück

11 Mär 2016
Bohrungen wie diese in der Nordsee würden arktische Ökosysteme massiv unter Druck setzen Bohrungen wie diese in der Nordsee würden arktische Ökosysteme massiv unter Druck setzen

Der Ausstoss von Kohlendioxid durch die Verwendung von fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Erdöl ist eine der Hauptursachen für die Erderwärmung. Bezüglich der Zugänglichkeit grosser Ressourcen-vorräte ergeben sich in absehbarer Zeit neue Möglichkeiten. Doch: Wir sollten umdenken.

Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Paris vergangenen Herbst betonten die stärkeren Auswirkungen auf die Polkappen bei gleichbleibendem Ausstoss fossiler Energieträger. Selbst bei Einhaltung der 2 Grad Obergrenze, entspricht dies einem Temperaturanstieg von 6 Grad an den Polen. In den vergangenen 30 Jahren ist die arktische Eisdecke um mehr als die Hälfte geschrumpft. Ökologisch gesehen ist das grosse Abtauen eine Katastrophe. Als Eiswüste reflektiert die Arktis einen großen Teil der Sonneneinstrahlung und hat so eine wichtige regulierende klimatische Funktion für den ganzen Planeten. Die massiven Temperaturerhöhungen in den letzten Jahren haben zur Folge, dass vermehrt dunklere Schmelzwasserflächen Wärme absorbieren und die Eisschmelze abermals beschleunigen. Weltweit steigen die Meeresspiegel, und der Salzgehalt der Ozeane nimmt durch zunehmende Süsswasserzuflüsse ab. Auch die Festlandgletscher schmelzen, und auftauende Permafrostböden setzen außerdem Treibhausgase frei. Dies verändert die Strömungsverhältnisse und die Lebensbedingungen für die Organismen im Wasser.

Seit Jahren wird das polare Meereis während der Sommermonate dünner und bedeckt weniger Fläche. Regionen, die lange als kaum erreichbar galten, werden wirtschaftlich interessant. Denn das Eis gibt Schifffahrtswege frei, die den Warentransport zwischen Asien und Europa um zwei Wochen verkürzen. Vor allem aber könnten gewaltige Mengen an Bodenschätzen gehoben werden.

Die stete Verringerung der polaren Eisdecke weckt nun seit einigen Jahren Begierden. Denn der Rohstoffreichtum der Arktis ist legendär. Nach einer Schätzung der United States Geological Survey (Geologische Dienste) birgt die Region 13 Prozent der vermuteten Ölressourcen der Erde und sogar 30 Prozent der förderbaren Gasvorkommen. Doch was wirklich vorhanden ist, kann nur schwer vorausgesagt werden. Ob die vom Eise befreiten Unterwasserbecken überhaupt das Potenzial für Öl und Gas haben, ist Gegenstand von Forschungen und wird noch immer spekulativ diskutiert. Doch die Goldgräber stehen bereit.

Umweltgefährlich und kontraproduktiv

Die Gewinnung fossiler Energieträger in arktischen Regionen verursacht derzeit noch so hohe Kosten, dass sich viele Investoren abgeschreckt zurückhalten. Doch sollte sich Technik und Infrastruktur für Bergbau und Ölgewinnung unter extremen Wetterverhältnissen weiter verbessern, werden Bohrungen nahe den Polen Realität sein. Zu dieser Realität werden auch Bohrunfälle und Klimaverschmutzung gehören. Beim Tankerunfall der Exxon Valdez im Frühjahr 1989 vor Alaska dauerte es viel länger, bis Bakterien das Öl zersetzten, als etwa im warmen Golf von Mexiko.

Der Ölschlick könnte das Leben an Küsten und am Meeresboden ersticken, im Arktischen Ozean auch im Eis. Vergleichbar mit einem Schwamm, leben dort in kleinen Kanälen Algen, Würmer und Einzeller. Ein Ölteppich würde die Zugänge zu den Lebensinseln verkleistern. Eine wichtige Nahrungsgrundlage für Polardorsche – und somit für Robben und Eisbären – ginge verloren. Die arktischen Ökosysteme sind bereits arg unter Druck – eine negative Entwicklung, die sich mit steigender Ölsuche verschlimmern würde.

Die Bedeutung nachwachsender Rohstoffe nimmt also weiter zu. Sie bieten reelle Chancen, die international formulierten Klimaziele zu erreichen und die unvermindert grosse Nachfrage nach fossilen Energieträgern zu brechen. 

Weitere Informationen:
Folgen der globalen Erwärmung in der Arktis

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