Militanter Umweltschutz

Ein Schiff aus der Flotte der Tierschutzorganisation Sea Shepherd Ein Schiff aus der Flotte der Tierschutzorganisation Sea Shepherd

Heiligt der Zweck immer die Mittel? Einige Umwelt- und Tierschutzorganisationen belassen es nicht auf öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen.

Militante Tierschützer greifen oft zu illegalen Mitteln, um ihre Anliegen und Vorstellungen durchzusetzen. Einbrüche, Brandstiftung und andere vandalistische Akte gehören zur normalen Vorgehensweise solcher Organisationen. Dabei nehmen einige kaum Rücksicht auf Menschenleben und versenken ganze Schiffe im Ozean.  Das FBI spricht im Fall der Animal Liberation Front kurz ALF sogar von Terrorismus.

Beweggründe

Früh wird einem beigebracht, dass Gewalt keine Lösung sei. Warum also handeln diese „Wohltäter“ so radikal und kompromisslos? Umwelt- und Tierschutz sind schon seit vielen Jahren ein grosses Thema, beinahe jeden Tag erreichen uns neue, schreckliche Berichte über den Zustand unsere Umwelt. Trotzdem kommt es einem manchmal so vor, als würden nur sehr langsam Erfolge erzielt werden. Geht es den Organisationen schlichtweg zu lange? Auf legale Weise kann es Jahre dauern, bis ein neues Gesetz, eine Vereinbarung tatsächlich in Kraft tritt. Viele solcher Verbünde wollen aber direkten Einfluss nehmen, vor Ort sein und Schlimmstes verhindern.

 

 „Sea Shepherd geht dabei ausschliesslich gegen illegale Aktivitäten auf hoher See vor, um das Aufrechterhalten von Meeresschutzgesetzen zu gewährleisten, wenn staatliche Exekutivkräfte nicht aktiv werden.“

 

Die Organisation Sea Shepherd greift zu äusserst radikalen Mitteln. Die Gruppe rund um den (ehemaligen) Greenpeace Gründer Peter Watson versucht unter anderem, den Walfang in Japan zu unterbinden. Um Erfolg zu haben, werden die Schiffe der Walfänger gezielt mit der eigenen Flotte gerammt und zum Teil versenkt. Watson betont aber stets, dass dabei bisher noch kein Menschenleben in Gefahr gewesen sei. Die Schiffe würden nur versenkt werden, wenn sicher sei, dass sich niemand darauf befindet. Dennoch rechtfertigt er Gewalt gegenüber den schrecklichen Machenschaften der Walfänger.

 

„Wenn wir jemanden töten oder verletzen würden, dann wäre das Gewalt. Aber wenn es darum ginge, das letzte Tier einer Spezies zu schützen, und man müsste dafür jemanden töten, dann wäre das eher gerechtfertigt, als jemanden für Öl im Wüstenkrieg zu töten.“

 

Vereinzelt gibt es auch Fälle von militanten Tierschutzbewegungen in der Schweiz. Ins Visier von ALF-Anhängern gelangte einst der ehemalige CEO von Novartis. Mitglieder der Gruppe schändeten das Grab seiner Eltern und sprachen Drohungen aus. Weitere Novartis-Mitarbeiter wurden zu Opfern von Sachbeschädigungen. Man besprühte ihre Autos, schlitzte die Reifen auf und verschickte Pistolenpatronen. Grund dafür war die Zusammenarbeit von Novartis und Huntingdon Life Sciences   - eine Firma, die Tierversuche durchführt. Wie Watson ist auch der Kopf der AFL der Meinung, dass eingeschränkte Gewalt gegen Tierquäler in Ordnung sei.

Unterstützung durch legale Vertreter und Strafen

Auch wenn militante Massnahmen nicht von jeder Umwelt- oder Tierschutzorganisation direkt veranlasst werden, sind doch eine gewisse Toleranz und Verständnis dafür vorhanden. So sympathisiert  die legal tätige Tierschutzorganisation PETA mit der ALF. Sie sind der Meinung, dass ohne das Einbrechen in Tiernutzungseinrichtungen immer noch viele der grausamen Missstände der Öffentlichkeit verborgen blieben. Gemeint sind damit die schlimmen Bedingungen in Tierversuchslaboren, Pelztierfarmen oder in der Massentierhaltung. Einzelne Vereine unterstützen die Organisationen mit juristischem Beistand und finanzieller Unterstützung. Denn oft müssen sich die Mitglieder vor dem Gesetz verantworten. Dies führt zu Geld- oder Freiheitsstrafen.

Klar ist: Immer mehr - besonders auch junge - Leute beschäftigen sich mit der Thematik. Das Ausmass, in dem unsere Gesellschaft Tierleid und die Zerstörung der Natur toleriert und in manchen Fällen sogar fördert, treibt engagierte Menschen überall zur Verzweiflung. Nun könnte man mit gutem Beispiel voran gehen und keine Gewalt einsetzen, wo man doch genau diese verhindern will. Die von den Organisationen aufgewandte Energie und finanziellen Mittel könnten konstruktiver eingesetzt werden.

Natürlich müssen wir erfahren, was hinter verschlossenen Türen mancher Tiernutzungseinrichtungen geschieht. Erst dann kann etwas dagegen unternommen werden. Dies ist sicherlich auch möglich ohne einen gefährlichen und kontraproduktiven Vigilantismus. Der politische Weg mag langwierig und vergleichsweise langweilig sein, langfristig werden aber nur hier nachhaltige Erfolge erzielt.

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