Unterwasserlärm betrifft uns alle

Plankton weist unter Lärm höhere Sterberaten auf Plankton weist unter Lärm höhere Sterberaten auf

Der Lärm in den Gewässern nimmt zu, glücklicherweise werden auch die Proteste lauter. Die diesjährige Versammlung des UN-Seerechtsabkommen widmete sich erstmals voll und ganz dem Thema Gewässerlärm.

 

Eine der lautesten Stimmen gegen Lärmverschmutzung in Gewässern gehört der Schweizer NGO OceanCare. Seit 1989 unermüdlich im Einsatz für den Schutz von Meerestieren und Ozeanen, zog sie 2002 mit der Lancierung einer internationalen Kampagne namens „Silent Oceans“ in den Kampf gegen den Unterwasserlärm. Die vergangenen 15 Jahre waren gespickt von Erfolgen, wie etwa Moratorien für Hochleistungs-Sonare in der EU, optimierten Militärtests seitens der NATO, dem Einstellen von seismischen Tests im Golf von Mexiko, oder der Vertreibung der Öl- und Gasindustrie aus den Gewässern vor Kroatien, den Balearen, den Kanarischen Inseln sowie den Kangaroo Islands.

Neueste Resultate aus der Forschung

Wale und Delfine, die im Lärm ihren Orientierungssinn verlieren und stranden- solche Bilder sind mittlerweile weit bekannt. Doch der Lärm gefährdet nicht nur Meeressäuger. Eine im Mai 2018 von OceanCare und der Dalhousie University veröffentliche Studie zeigt; es leiden deutlich mehr Tiere unter den Schallwellen, als bisher angenommen. Massive innere Verletzungen, Zellschäden in Statozysten (Gleichgewichtsorgane vieler wirbelloser Tiere) und Nervenzellen, Veränderungen in der DNA, Unfruchtbarkeit und Wachstumsstörungen - die schädlichen Nebenwirkungen von sowohl konstanter als auch explosiver Beschallung betreffen viele: Säuger, Fische, Wirbellose, Krebse, Meeresschildkröten und sogar Plankton, die Basis der marinen Nahrungskette. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein; die Meere müssen leiser werden!

Ein weiterer Lärmschutzerfolg

OceanCare arbeitet eng mit der UNO zusammen und nimmt seit 2004 jährlich an den Konsultativdebatten der UN-Seerechtskonvention (UNCLOS, UN convention on the Law of the Sea) teil. Diese bietet einen rechtlichen Rahmen für die Nutzung und den Schutz von marinen Ressourcen und wurde seit dem Inkrafttreten 1994 fast weltweit anerkannt. Seit 2011 agiert OceanCare als Sonderberaterin für Meeresfragen im UNO Wirtschafts- und Sozialrat und stellt sicher, dass der Unterwasserlärm im Umgang mit internationalen Gewässern berücksichtigt wird.

Konkret heisst das:
Strikte Umweltverträglichkeitsprüfungen auf alle lärmerzeugenden Aktivitäten müssen her. Schiffsschrauben und Motoren müssen leiser und Schifffahrten langsamer werden. Es muss Vorschrift sein, die leisesten verfügbaren Technologien zu nutzen. Es braucht Schutzzonen, und Militärsonare sollten nur noch fernab von artenreichen Meeresgebieten eingesetzt werden dürfen. Ausserdem soll eine Obergrenze für Unterwasserlärm festgelegt, überwacht und konsequent durchgesetzt werden.

Die Anliegen von OceanCare haben nach jahrelanger Arbeit genug Gehör bekommen,  dass sich das UN-Seerechtsabkommen in ihrer diesjährigen Konferenz vom 18.-22-6.2018 in New York einzig und allein dem Thema Unterwasserlärm gewidmet hat.
Sigrid Lüber, Präsidentin und Leiterin Internationale Zusammenarbeit schaut optimistisch auf die Konferenz zurück. Konstruktive Diskussionen und erfolgreich platzierte Anregungen seien nun die Basis für eine Zusammenfassung an den UNO-Generalsekretär. Das Dokument wird in der Generalversammlung im Herbst vorgelegt.   

„Der kleine Schritt vom Sitzungssaal des Seerechtsabkommens zum Plenarsaal der UNO-Generalversammlung führt hoffentlich zu einem gigantischen Sprung ins Wasser eines sehr stillen und sehr lebendigen Ozeans.“
Sigrid Lüber, 23.6.2018, OceanCare Blog UNO

Quellen:
The impact of ocean noise pollution on fish and invertebrates 

 

 

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