Shells skandalöse Pläne für ausgediente Ölplattformen

Am Morgen des 14. Oktobers ist Rainbow Warrior, das Regenbogen-Schiff von Greenpeace, im Einsatz im Kampf gegen die Verrottung der alten Ölplattformen in der Nordsee. Am Morgen des 14. Oktobers ist Rainbow Warrior, das Regenbogen-Schiff von Greenpeace, im Einsatz im Kampf gegen die Verrottung der alten Ölplattformen in der Nordsee.

Vier ausgediente Ölplattformen mit einer Gesamtmenge von 11‘000 Tonnen Rohöl sollen dem Schicksal in der Nordsee überlassen werden – so das Vorhaben des Ölkonzerns Shell.

Am Montagmorgen, 14. Oktober, rückte das Schiff Rainbow Warrior mit Greenpeace Aktivisten/innen aus. Grund dafür ist das Vorhaben des britisch-niederländischen Unternehmens Shell, vier seiner alten Ölplattformen in der Nordsee, im sogenannten Brent-Ölfeld, nicht ordnungsgemäss zu entsorgen, sondern einfach verrotten zu lassen. Mit Bannern, die an zwei der vier Plattformen befestigt wurden, machten die Aktivisten/innen auf ihr Anliegen aufmerksam: Clean up your mess, Shell!

11‘000 Tonnen Rohöl ihrem Schicksal überlassen

In den Betonsockeln der in den Siebzigerjahren installierten Plattformen Brent Bravo, Charlie, Delta und Alpha befinden sich insgesamt rund 640‘000 Kubikmeter ölhaltiges Wasser und zirka 41‘000 Kubikmeter ölhaltiges Sediment. Laut Shell entspricht dies einer Gesamtmenge von 11‘000 Tonnen Rohöl. Der Ölkonzern plant, die Inhalte sowie die Trägerkonstruktionen der vier Plattformen im Meer zu belassen. Eine tickende Zeitbombe, glauben Experten. Während dieses Vorhaben klar gegen den OSPAR-Beschluss (völkerrechtliche Vertrag zum Schutz der Nordsee und des Nordatlantiks) verstösst, ist die britische Regierung gewillt, Shells Pläne zu bewilligen.

Sparpläne der Briten

Die britische Regierung zieht in Betracht, Shell eine Sondergenehmigung zu erteilen. Grund dafür sind Verträge zwischen den OSPAR-Staaten und Ölkonzernen, die eine Kostenaufteilung für den Rückbau der Plattformen vorsehen. Demnach sollen 50 bis 80 Prozent der Ausgaben vom Staat übernommen werden. Für die umweltgerechte Entsorgung muss das Öl abgepumpt und auf dem Land entsorgt werden, was Kosten im zweistelligen Milliardenbereich verursachen könnte. Die nun ausgeschöpften Ölfelder der Nordsee haben aber über Jahrzehnte Millionen Barrel Öl gefördert und den Ölkonzernen und beteiligten Staaten beträchtliche Gewinne eingebracht. „Shell hat Milliarden mit der Ölausbeutung in der Nordsee verdient, jetzt müssen sie ihren Müll wegräumen“, so der Greenpeace-Meeresbiologe Christian Bussau.

OSPAR-Vertragsstaaten wehren sich

Rechtlich gesehen kann die britische Regierung das Vorhaben von Shell grundsätzlich zulassen, wie es das Übereinkommen der OSPAR-Staaten von 1998 besagt. Das am 9. Februar 1999 in Kraft getretene Abkommen hält fest, dass neue, ab 1999 installierte Ölförderungsanlagen von den Betreibern entsorgt werden müssen, ältere, davor installierte Anlagen aber nicht. Doch es mehren sich Stimmen gegen das Vorhaben von Shell und der britischen Regierung. Im Rahmen einer Sondersitzung der OSPAR-Kommission am vergangenen Freitag haben sich die Vertragsparteien in London getroffen. Deutschland und zahlreiche weitere Staaten wie auch die EU-Kommission sprachen sich gegen die Pläne der Firma Shell aus. Sie forderten einen umweltverträglichen Rückbau der Konstruktionen sowie die umweltgerechte Entfernung der darin enthaltenen Rohölmengen.

Wie weiter?

Nach der erfolgreichen Sondersitzung gab sich die britische Regierung einverstanden, weitere Gespräche mit den OSPAR-Vertragsstaaten zu führen. Die ursprünglich angedachte Genehmigung des Shell-Antrags wird somit bis auf weiteres vertagt. Es bleibt zu hoffen, dass Shell die Plattformen ordentlich entsorgen muss; wenn nötig unter weiterem Druck von Greenpeace und der Bevölkerung.

Erfolgsgeschichte für Greenpeace

Bereits 1995 setzten sich Aktivisten/innen von Greenpeace gegen die Versenkung, bzw. Verklappung, der Öltank- und Verladeplattform Brent Spar ein. Der Protest erregte viel Aufmerksamkeit und führte zu einem europaweiten Boykott der Shell-Tankstellen – bis der Ölkonzern die Plattform schliesslich umweltverträglich an Land entsorgte. Auch zu den jetzigen Umständen äussert sich Bussau kämpferisch: „Ich war schon 1995 beim Protest im Brent-Ölfeld dabei, und wir werden nicht aufhören, uns für den Schutz der Meere stark zu machen“.

Quellen und weitere Informationen
greenpeace.de: Presseerklärung
Spiegel online
Shell: Brent Stilllegung
OSPAR Kommission
Deutschlandfunk.de: Artikel
Bundesministerium bmu.de: Pressemitteilung

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