Plastik im Boden – eine unbekannte Gefahr

20 Nov 2019
Hat auch dieser Regenwurm Plastikteilchen im Darm? Hat auch dieser Regenwurm Plastikteilchen im Darm?

Bis zu 40mal mehr Plastikteilchen im Boden als in den Gewässern – die Auswirkungen auf die Umwelt sind noch unbekannt.

Die weltweite Plastikproduktion steigt. Global wurden im Jahr 2018 ganze 359 Millionen Tonnen synthetische Polymere produziert, so die Zahlen des kürzlich publizierten Berichts von PlasticsEurope, dem Verband der Kunststofferzeuger. So erstaunt es nicht, dass auch immer mehr Plastik in die Umwelt gelangt. Während die aquatischen Systeme bereits vielfach erforscht wurden, gibt es noch kaum Studien zur Plastikbelastung in der terrestrischen Umwelt. Laut einer Modellrechnung der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa befinden sich aber in der Schweiz bis zu 40mal mehr Plastikteilchen im Boden als in den Gewässern.

Wie kommt der Plastik in den Boden?

Es gibt unzählige Eintragswege der Kunststoffe in den Boden. Eine bedeutende Quelle ist das unsachgemässe Wegwerfen von Plastikmüll, das sogenannte Littering. Dabei gelangen Plastiksäcke, Verpackungen von Lebensmitteln oder PET-Flaschen in die Umwelt. Nebst dem Littering gilt auch die Landwirtschaft als eine wichtige Quelle besonders für den Mikroplastik-Eintrag in die Umwelt. Die zum Abdecken von Pflanzen, Boden oder Silage verwendeten Polyethylenfolien setzen bei der Verwitterung kleinere Partikel frei. Auch der Eintrag von Kompost auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen führt zu einer Ansammlung von Plastik im Boden. In der Landwirtschaft Beschäftige düngen ihre Felder mit Kompost, der in industriellen Kompostieranlagen aus Grünabfällen hergestellt wird. Durch die nicht-ordnungsgemässe Trennung des Abfalls ist ein Grossteil des angelieferten Grünguts mit Plastik verunreinigt. Da synthetische Polymere im Kompostier – und Gärungsprozess nicht abgebaut werden, gelangen die Kunststoffteilchen mit dem verkaufsfertigen Kompost auf die Felder.

Unbekannte Gefahren

Die Auswirkung von Plastikrückständen auf Pflanzen und Bodenfruchtbarkeit ist noch weitgehend unbekannt. Pilze, Wirbellose, aber auch Bestäuber sind potenziell bedroht, da durch den Abbau des Plastiks toxische Substanzen wie Phtalate oder Bisphenol A freigesetzt werden können.

Genauso wenig ist über den Transport der Kunststoffteilchen entlang der Nahrungskette bekannt. Durch die Zersetzung grösserer Kunststoffteilchen in Mikroplastik (< 5 mm) können diese von Kleinstlebewesen, wie Regenwürmern, aufgenommen werden. Vögel oder Kleinsäugetieren wiederum fressen diese und die Annahme liegt nahe, dass Plastikpartikel so auch in höheren trophischen Ebenen (Stufen der Nahrungskette) zu finden sind.

Schritte zur Reduktion der Plastikverschmutzung

Um den Eintrag von Mikroplastik in Böden zu verringern, bestehen unterschiedliche Handlungsmöglichkeiten. Zum einen sollen Konsumentinnen und Konsumenten weiter sensibilisiert werden, Abfälle zu trennen und sachgemäss zu entsorgen. Insbesondere sollte darauf verzichtet werden, Grüngut in Plastiksäcken zu entsorgen. Auch sogenannter abbaubarer Plastik ist eine Quelle für Mikroplastik. Durch die fachgerechte Entsorgung kann der Plastikeintrag über Littering wie auch über den Kompost reduziert werden. Zum anderen braucht es auch staatliche Massnahmen. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) prüft derzeit weitere Schritte, um die Verschmutzung der Umwelt durch Kunststoffe zu verringern. Auf politischer Ebene fordern momentan mehrere parlamentarische Vorstösse diesbezügliche Reduktionsmassnahmen.

 

Quellen und weitere Informationen
Plastics Europe: Facts 2019
Aqua und Gas: Artikel
Publikation: Kawecki and Nowack, 2019
Ökotoxzentrum: Infoblatt Mikroplastik in der Umwelt
srf.ch: Artikel

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Kommentare (1) anzeigenausblenden 

0 #Annette Koller2019-11-25 11:25
die Konsumentinnen und Konsumenten werden meiner Meinung nach viel zu wenig sensibilisiert. ich bemerke immer noch beim Einkauf wie viele Leute unbedenklich ihre Ware in die dort vorhandenen Plastikbeutel füllt. hingegen werde ich mit meinen Stoffbeutel nur komisch angeschaut.
es wäre mal an unsere Grossverteiler zu appelieren und diese Beutel kostenpflichig zu machen.
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