Schweizer Segler möchte das Meer von Kunststoff befreien

09 Mär 2021
Mit gesetzten Segeln die Meere retten! Mit gesetzten Segeln die Meere retten!

Die Idee klingt auf den ersten Blick etwas verrückt. Ein Schweizer Segler möchte seinen selbstgebauten Katamaran dazu nutzen, um die Weltmeere vom Kunststoff zu befreien. Doch bei genauerer Betrachtung zeigt sich, dass hinter dem Projekt ein ausgeklügeltes System steckt.

Dieses greift ein Problem auf, dass die Menschheit schon seit längerem beschäftigt. Die Unmengen an Plastik, die jedes Jahr in den Weltmeeren landen, entwickeln sich immer stärker zu einer Belastung für die Natur. Der Schweizer Extremsegler Yvan Bourgnon hat sich dazu entschlossen, aktiv dagegen anzukämpfen.

 

Der Tag der Erde zeigt das Problem auf

Seine Initiative kommt gerade zur rechten Zeit. Die Abfälle aus Plastik im Meer beschäftigen umweltbewusste Menschen schliesslich schon seit Jahren. Zahlreiche Umweltschutzinitiativen weisen beständig auf das Problem hin und arbeiten an Lösungen. Eine wichtige Veranstaltung in diesem Zusammenhang ist der Tag der Erde. Er findet jährlich am 22. April statt und konzentriert sich in seiner Kommunikation auf die Kunststoffverschmutzung der Weltmeere. Ausgangspunkt für diese Initiative war eine Demonstration von rund 20 Millionen Amerikanern im Jahr 1970. Seither widmet sich der Tag der Erde wichtigen Umweltanliegen und versucht diese ins Bewusstsein der Menschen zu rufen.
Mittlerweile weiss so gut wie jeder um das Problem von Kunststoff im Meer. Es gelangt als Mikroplastik in die Nahrungskette und kann gesundheitsschädlich sein. Jeder, der seinen Kunststoffverbrauch im täglichen Leben reduziert, kann mithelfen, das Problem in den Griff zu kriegen. Doch das war dem Schweizer Segler noch nicht genug. Er möchte in drei Jahren einen Katamaran zu Wasser lassen, der den Müll verarbeiten soll.


Energie aus Kunststoff

Die Eigenentwicklung des Abenteurers Yvan Bourgnon ist ein Hochseekatamaran. Dieser soll in der Lage sein, den Kunststoff im Meer aufzusammeln. Danach wird das Plastik verarbeitet und zurückgewonnen. Das Schiff hört auf den Namen Manta und wird, wenn es nach den Plänen seines Erbauers geht, 2024 seine erste Fahrt starten. Die Forschung und Entwicklung des Riesen-Katamarans dauerte rund drei Jahre. Bourgnon stellte sein Schiff nun gemeinsam mit der Umweltorganisation The Seacleaners in Paris vor. Das Konzept ist so einfach wie bestechend. Aus Plastik soll demnach Energie werden. Schliesslich werden die Meere immer mehr zur Müllhalde des Planeten. Laut dem WWF landet jede Minute eine LKW-Ladung davon im Wasser.

Der gewaltige Katamaran ist 56,5 Metern lang und 62,5 Meter hoch. Angetrieben wird das Schiff zum grössten Teil von erneuerbarer Energie. Das 1.500 Quadratmeter Segel reicht jedoch nicht aus, um das riesige Schiff zu bewegen. Zusätzlich befinden sich zwei Windturbinen, zwei Wasserkraft-Generatoren und Photovoltaik-Solarpanels an Bord. Diese haben eine Fläche von fast 500 Quadratmetern. Damit nicht genug, nutzt der Katamaran von Yvan Bourgnon auch noch eine sogenannte Waste-to-Electricity Conversion Unit.


Aus Gas wird Strom

Dabei handelt es sich um eine Anlage, die Abfall in Elektrizität umwandeln kann. Sie nutzt dazu das gesammelte und sortierte Plastik aus dem Meer. Das Verfahren, das dabei angewandt wird, nennt sich Pyrolyse. Es schmilzt den Kunststoff ohne jeglichen Verbrennungsprozess. Das so entstandene Synthesegas wird durch eine Turbine in Strom umgewandelt. Dieser versorgt die Bordanlagen mit Strom. Dazu zählen nicht nur die Navigationsinstrumente, sondern auch die Batterien, der Antrieb und die Sammel- und Sortieranlage. Diese sorgt dafür, dass das Plastik aus dem Meer aufgenommen und sortiert wird.

So sollen ab 2024 jährlich zwischen 5.000 und 10.000 Tonnen Kunststoff aus den Gewässern gefischt werden. Der Katamaran wird vorwiegend in Asien, Afrika und Südamerika unterwegs sein. Dort ist die Verschmutzung der Meere durch Kunststoffe besonders gross. Sein Einsatzgebiet wird sich jedoch nicht nur auf die Weltmeere beschränken, Manta soll auch in belasteten Flüssen, an Küstengebieten und in Flussmündungen unterwegs sein. Die Sammelanlage kann Plastik ab einer Grösse von zehn Millimetern einsammeln.

 

Bis zu 13 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jährlich in den Meeren. H. Hach, pixabay

 

Der 49-jährige Schweizer ist in der Segel-Szene kein Unbekannter. 1997 gewann er gemeinsam mit seinem Bruder die Katamaran-Regatta Transat Jacques Vabre. Diese gilt als ultimativer Test für Boote und ihre Skipper. Sein Engagement entstand nach persönlichen Erfahrungen, die ihn geprägt hatten. Neben dem Sammeln von Kunststoffen ist ihm die begleitende Forschungsarbeit besonders wichtig. Daher gehören zur Besatzung der Manta auch zehn Wissenschaftler. Sie werden sich an Bord der Ortung, Quantifizierung und Charakterisierung des Mülls widmen. Die dabei gesammelten Daten wird Yvan Bourgnon der Öffentlichkeit in Open Data zur Verfügung stellen. So hofft er einen Beitrag zur zukünftigen Verbesserung der Situation leisten zu können.

 

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