Eine Müllhalde aus Autoradios

Veraltet oder charmant? Das UKW-Radio wird bald vollständig von seinem digitalen Nachfolger abgelöst. Veraltet oder charmant? Das UKW-Radio wird bald vollständig von seinem digitalen Nachfolger abgelöst.

Die Radiobranche hat sich auf einen Wechsel von UKW auf DAB geeinigt. Ab 2023 soll die UKW-Ära ein Ende nehmen. Die SRG wird ihre UKW-Sender im August 2022 abschalten und die Privatradios beenden die Ära schliesslich im Januar 2023.

 Bald werden UKW-Radios in der Schweiz Geschichte sein. Die Mitglieder der Radioverbände und der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) bereiten sich seit 2014 auf eine gemeinsame Abschaltung der analogen Radiosender vor. Ende August 2022 wird die SRG vollständig auf DAB umstellen und im darauffolgenden halben Jahr werden auch Privatradios mitziehen müssen.
Der erzwungene Wechsel, angestrebt vom Bund, erfolgt aufgrund der kostenintensiven Parallelbetreibung von UKW und DAB. Beim Umstieg auf nur eine Signalverbreitung könnten daher Unterhalts- und Wartungskosten eingespart werden.
Die UKW-Abschaltung wird sich jedoch auch auf die Bevölkerung und die Umwelt auswirken. Nebst einer finanziellen Belastung für Hörerinnen und Hörer führt der Wechsel zu einer riesigen Menge Elektroschrott.

Vom Rundfunk über UKW und nun zum digitalen Radio?

Das UKW-Radio erlebte seinen Aufstieg kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Aufgrund der besseren Frequenzmodulation (FM) konnten Rausch- und Verzerrungsgeräusche vermieden und somit das Kurzwellen-Radio abgelöst werden. Ultrakurzwelle war seitdem die Frequenz der Wahl. Nun ist eine neue Technologie auf dem Vormarsch: Das «Digital Audio Broadcasting», kurz DAB oder die bereits erweiterte Form DAB+. Im Unterschied zur analogen UKW-Verbreitung sendet DAB die digitalen Radiosignale über die Luft. Der Empfang erfolgt somit ohne Nebengeräusche. Weitere Vorteile sind die kleinere Anzahl an Antennen, welche für DAB benötigt werden, die grössere Summe an Programmen sowie das Angebot an zusätzlichen Informationen wie Liedtiteln oder Verkehrsinformationen. Um DAB-Programme empfangen zu können braucht es jedoch ein DAB-taugliches Gerät. Für viele Hörer und Hörerinnen geht durch diese modernen, mit teils dumpfem oder metallischem Audio ausgestatteten Radios der Charme der konventionellen, analogen UKW-Geräte verloren.

Ein Malheur oder eine Chance?

SRG ist seit jeher die treibende Kraft bei der Entwicklung von DAB in der Schweiz. Um die Technologie weiter zu fördern, setzten sie sich daher für die Abschaltung der UKW-Sender ein. Bis Ende 2019 erreichten sie 68% der Radiohörerinnen und -hörer über DAB. Angesichts der Tatsache, dass die digitale Übertragung während vieler Jahre mit teuren Werbekampagnen zelebriert wurde, hat sich das analoge Radio gut gehalten. Vor allem im Auto erreicht UKW immer noch einen Marktanteil von 58%. Seit Dezember 2020 ist die Installation von DAB in Neuwagen zwar Pflicht, ältere Autos sind jedoch meist mit UKW-Standard ausgerüstet. Daher werden nach dem Wechsel auf DAB mehr als die Hälfte aller Schweizer Autoradios - daher Millionen von funktionierenden Radio-Apparaten - ausgebaut und entsorgt werden müssen. Dadurch wird eine riesige Menge an Elektroschrott anfallen. Bereits jetzt produziert eine Person in der Schweiz durchschnittlich 15kg Elektroabfall jährlich, die Abschaltung von UKW-Radios würde diesen Wert kurzfristig in die Höhe schnellen lassen.
Zwar besteht die Möglichkeit für rund CHF 100.- einen Adapter zu kaufen, welcher das Autoradio für DAB-Programme tauglich macht. So oder so, die Kosten müssten die Konsumenten und Konsumentinnen selbst übernehmen.

Europaweit hat bisher nur Norwegen eine vollständige Umstellung auf DAB gewagt. Jedoch sackte nach dem Wechsel der Radiokonsum so drastisch ab, dass regional wieder UKW-Sender zugelassen wurden. Weshalb die Schweiz trotzdem diesen Weg einschlagen will, fragt sich auch Roger Schawinski, Gründer zahlreicher Schweizer Sender und Medientitel. Mit seiner Petition setzt er sich für den Erhalt des UKW-Radios ein:

«Ich will verhindern, dass wir mit offenen Augen in ein Desaster laufen, und dass das schöne Medium Radio auf unsinnige Weise beschädigt wird. Und dass die Radiokonsumenten dafür die Zeche bezahlen müssen.»

Der Wechsel von UKW auf DAB ist im Moment noch stark umstritten. Da die duale Signalverbreitung kaum Nachteile mit sich bringt, stellt sich die Frage, warum der Entscheid nicht einfach dem Markt überlassen oder zumindest hinausgezögert wird? Wahrscheinlich setzt sich so das moderne digitale Radio mit der Zeit durch, aber vielleicht gibt es noch genügend Nostalgiker, welche lieber beim analogen bleiben möchten.

 

Quellen und weitere Informationen:
SRG: Die Ablösung von UKW durch DAB+
Podcast: Rettet UKW

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