Spiele gegen die Nachhaltigkeit

Die Sommerspiele 2016 in Rio verursachten 3,6 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Die Olympiade ist daher weit von einer nachhaltigen Durchführung entfernt. Die Sommerspiele 2016 in Rio verursachten 3,6 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid. Die Olympiade ist daher weit von einer nachhaltigen Durchführung entfernt.

Die olympischen Spiele werden immer weniger nachhaltig: Enorme Emissionen, Ausgaben in Milliardenhöhen und unbenutzte Sporttempel sind Folgen des Megaevents.

 Am Freitag, dem 23. Juli 2021, starteten in Tokio offiziell die durch Corona um ein Jahr verschobenen Olympischen Spiele. Der weltweit bekannte Wettkampf würde dem gastgebenden Land jeweils die Chance bieten, die Öffentlichkeit über das Thema Nachhaltigkeit zu informieren und zu interessieren. Mit ihrem Nachhaltigkeitskonzept „Be Better Together for the People and the Planet“ schrieb in diesem Jahr auch Japan seine umweltbewusste Haltung gross.

Einflussreich, aber nicht vorbildlich

Die olympischen Spiele sind die meist gesehenen und teuersten Veranstaltungen der Welt. In diesem Jahr wird mindestens die Hälfte der Weltbevölkerung über die Geschehnisse in Tokio informiert sein. Der Gastgeber wird zwischen 12 und 28 Milliarden US-Dollar für das Megaprojekt ausgeben. Darin sind die Umweltfolgekosten nicht eingerechnet. Durch die hohe politische Priorität und die weltweite Aufmerksamkeit haben die olympischen Spiele das Potenzial, Entscheidungsfindungen auf internationaler Ebene zu verändern. Als urbaner Riesenevent könnten sie vor allem in rasant wachsenden Städten eine Vorreiterrolle für Nachhaltigkeitsherausforderungen annehmen: Reduktion der Treibhausgasemissionen, Eindämmung der Zersiedelung, Nachhaltigkeit in der Mobilität oder sozialer Frieden und Gerechtigkeit.
Dabei hat sich das Internationalen olympischen Komitees IOC längst auf einen zwar abgenutzten Begriff der Nachhaltigkeit verpflichtet mit dem Ziel, „sicherzustellen, dass die Olympischen Spiele im Bereich Nachhaltigkeit an der Spitze stehen“, aber die Realität sieht anders aus.

Alles nur Fassade?

Dass die olympischen Spiele nicht unbedingt ein Ausbund an Nachhaltigkeit sind, ist bekannt. Jedoch sind sie in den vergangenen zehn Jahren sogar immer weniger nachhaltig geworden -trotz vieler gegenteiliger Bemühungen und Behauptungen. Allein die Sommerolympiade in Rio 2016 verursachte 17 000 Tonnen Abfall. Für Lieferungen und Anreisen wurden rund 23,5 Millionen Liter Kraftstoff verbraucht und um die 3,6 Millionen Tonnen CO2 wurden in die Atmosphäre geblasen.
Problematisch ist vor allem die übertriebene Grösse des Anlasses, auch in diesem Jahre wieder: In Tokio stehen so viele Sportarten wie noch nie auf dem Programm. Milliarden wurden in die Errichtung von Sportstätten investiert, so dass nicht einmal mehr die Bevölkerung hinter den Spielen stehen kann. Der Aufwand eines solch aufgeblasenen Projektes leuchtet einem Normalbürger kaum mehr ein. Die Verschiebung der Spiele um ein Jahr ist durch die schiere Grösse des Events zudem ein Mammutvorhaben. Auch wenn in Japan die Medaillen aus 6,21 Millionen recycelten Smartphones bestehen und das olympische Feuer symbolisch für eine kohlenstofffreie Zukunft mit Wasserstoff gezündet wird, so ist auch dieser Megawettkampf noch weit entfernt von einem nachhaltigen Anlass

Kein Ding der Unmöglichkeit

Die olympischen Spiele müssten nicht auf Kosten der Umwelt stattfinden. Damit sie nachhaltig werden können, sind jedoch drei grundlegende Veränderungen wichtig. Primär müsste vor allem die Grösse der Veranstaltung massiv reduziert werden. Dann müssten unabhängige, international anerkannte Nachhaltigkeitsstandards durchgesetzt werden. Weiter wäre zu überlegen, die Spiele auf wenige Austragungsorte zu beschränken, um vorhandene Infrastrukturen mehrmals zu nutzen.
Erfreulicherweise hat das IOC sich zum Ziel gesetzt, bis 2024 klimaneutral zu werden und ab 2030 nur noch klimapositive Spiele durchzuführen. Um gegen die Emissionen anzukämpfen, setzt das Olympische Komitee auf eine «Great Green Wall», das heisst auf das Pflanzen eines gigantischen Olympischen Waldes. 355 000 Bäume sollen in den nächsten vier Jahren in der Sahel-Region in Mali und Senegal gepflanzt werden. Der ausgewachsene Wald könnte dann bis zu 200 000 Tonnen Kohlendioxid binden und somit den CO2-Fussabdruck des Ringeordens zu einem kleinen Teil kompensieren. Angesichts der deutlich grösseren CO2-Emissionen schein dies schön und gut, aber ist bloss ein Tropfen auf den heissen Stein. Zudem setzt diese Massnahme nicht an der Wurzel des Problems an. Ziel sollte es sein, die Emissionen zu verhindern und nicht deren Ausstoss danach zu kompensieren zu müssen. Ausserdem werden wichtige Aspekte der Nachhaltigkeit vernachlässigt: olympische Ruinen, zersiedelte Gebiete und verschuldete Länder. Eine nachhaltige Olympiade ist daher ein Traum, der noch in weiter Ferne liegt.

 

Quellen und weitere Informationen:
Nature Sustainability: An evaluation of the sustainability of the Olympic Games
Mdr: Olympia von Nachhaltigkeit weit entfernt 

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