E-Scooter: Grosse Versprechen, verschenktes Potential

E-Scooter sind nicht die Zukunft der Verkehrswende E-Scooter sind nicht die Zukunft der Verkehrswende

E-Scooter gelten als nachhaltiges Fortbewegungsmittel. Leider ist ihre Umweltbilanz schlechter als bisher angenommen.

Die Popularität von Elektro-Rollern hat in den letzten Jahren rasant zugenommen: Laut Analyse der ZHAW hat sich die Zahl der E-Scooter in mehreren europäischen Städten — darunter auch Zürich — innert eines Jahres mehr als verzehnfacht. 

Leihanbieter werben damit, ihre Fahrzeuge würden tonnenweise CO2-Emissionen in Städten einsparen. Eine neue Studie der ETH zeigt aber: Ganz im Gegenteil — in ihrer gegenwärtigen Verwendung schaden sie der Umwelt sogar mehr, als sie sie entlasten.

 

Miese Ökobilanz trotz ‚emissionsfreier‘ Fahrt

Das Forschungsteam vom Institut für Verkehrsplanung und Transportsysteme (IVT) der ETH Zürich sammelten drei Monate lang Nutzungsdaten von E-Trottis in der Stadt Zürich. Zwar wirken diese auf den ersten Blick klimaschonend, da sie keine Verbrennungsmotoren besitzen — die Fahrt selber ist also emissionsfrei. Erste Zahlen zeigen aber, dass sie oft den umweltfreundlicheren Fuss- und Veloverkehr ersetzen. Bisherige Studien haben E-Trottis eine gute Klimabilanz erteilt, da die Berechnungen häufig davon ausgingen, dass sie Autofahrten ersetzen würden. Das ist aber leider nicht der Fall.

Zudem ist die Lebensdauer der Leih-Roller — insbesondere der Akkus — offenbar gering. Das ist ein Problem, wenn man die gesamte Emissionsbilanz — von der Materialgewinnung über die Herstellung bis zur Nutzung — der Elektroroller in Betracht zieht. Eine Studie der University of North Carolina errechnete genau diese und kam zum Ergebnis, dass man während der gesamten Nutzungsdauer eines E-Scooters mit bis zu 126 Gramm CO2-Emissionen pro Passagier pro Kilometer rechnen muss. Das ist zwar immer noch besser als ein Auto, ein voll besetzter Dieselbus schneidet aber besser ab.

Über die Hälfte dieser Emissionen entsteht bei der Materialgewinnung und Herstellung. Besonders die Produktionen der Aluminiumrahmen und der Lithium-Ionen-Akkus benötigen viel Energie und verursachen hohe Treibhausgasemissionen. Da die meisten E-Scooter aus China importiert werden, stammt der Strom für die Produktion hauptsächlich aus Kohlekraftwerken — entsprechend hoch ist der CO2-Ausstoss. Ein zweiter grosser Faktor: Die Ladefahrten. Denn E-Scooter werden nicht vor Ort aufgeladen, sondern von Transporteuren eingesammelt, an eine Ladestation gehängt und wieder verteilt. Laut der Studie sorgt dies für insgesamt 43% der Emissionen.


Sharing is caring… oder?

Überraschend ist eine weitere Erkenntnis der ETH-Studie bezüglich des Privatbesitzes und dem Sharing-Modell. Die Forschenden fanden, dass die geteilten E-Scooter (und auch E-Bikes) mehr CO2 emittierten als die ersetzten Verkehrsmittel. Private Elektroroller hingegen sparten CO2-Emissionen ein. Das liegt vor allem daran, dass die Scooter im Privatbesitz im Schnitt doppelt so lange im Einsatz bleiben wie die Leihstücke.

Wie lässt sich nun die Umweltbilanz der geliehenen E-Scooter verbessern? Laut der ETH-Forschungsgruppe sollten die E-Scooter-Flotten besser in den ÖV integriert werden. Insbesondere an Stadträndern besteht teilweise das Problem, dass Stationen des öffentlichen Verkehrs weit auseinander liegen. Das ist für viele ein Hindernis und ein Grund, das Auto zu nutzen. E-Scooter und E-Bikes könnten diese Strecken überbrücken und so zu einer besseren Vernetzung des ÖV beitragen. Den nachhaltigeren Fuss- und Fahrradverkehr sollten sie aber nicht ersetzen.

 

Quellen und weitere Informationen:
Reck, D. J. et al. (2022): Mode choice, substitution patterns and environmental impacts of shared and personal micro-mobility
ZHAW: E-Trottinetts fluten Europas Städte
Hollingsworth, J. et al. (2019): Are e-scooters polluters? The environmental impacts of shared dockless electric scooters
Umweltbundesamt: E-Scooter momentan kein Beitrag zur Verkehrswende

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