Konzentration auf dem Saatgutmarkt – Wer säht, der erntet

10 Mai 2013

Auf dem internationalen Saatgutmarkt hat sich in den letzten Jahren ein enormer Konzentrationsprozess abgespielt: Immer weniger Konzerne dominieren den Saatguthandel und erwirtschaften dadurch Milliardenprofite. Die neue EU-Verordnung unterstützt die Multis auf ihrem Erfolgskurs.

Die kürzlich bekannt gegebenen Vorschläge der EU-Kommission zur Revision des europäischen Saatgut-Verkehrsgesetzes lösten heftige Proteste aus. Zahlreiche EU-Bürger, Hobbygärtner NGOs, Biolandwirte und kleinere Zuchtfirmen kritisieren die neue Vorlage, welche den Anbau alter und seltener Sorten erheblich zu erschweren droht. Durch verschärfte, teurere und standardisierte Zulassungsverfahren für Saatgut könnten sich Multinationale Grosskonzerne enorme Marktvorteile gegenüber kleineren Unternehmen und Züchtern verschaffen. Die Folgen wären eine zunehmende Marktdominanz der grossen Konzerne, einhergehend mit einer Vereinheitlichung der Sorten und abnehmender Biodiversität.

Nun hat die Kommission die stark umstrittene Verordnung vorgestellt. Möglicherweise auch dank der heftigen Proteste fällt sie weniger konsequent aus als erwartet. So sollen seltene und alte Sorten nur teilweise von der Zulassungskontrolle betroffen sein. Für Kleinstunternehmen werde es Ausnahmen geben, „um für sie die administrativen Hürden und Kosten zu minimieren“, betont die EU-Kommission. Zudem werde der private Anbau und Saatguttausch weiterhin erlaubt sein – ohne neue Regelungen und administrative Hürden. So soll die Vielfalt der Sorten und der Anbieter erhalten bleiben. Erst im weiteren Gesetzgebungsprozess wird sich herausstellen, ob die Ausnahmen tatsächlich zustande kommen.

Teure, komplizierte Zulassungsverfahren begünstigen die Hybridsorten der Saatgutindustrie wie Syngenta, Monsanto oder BASF
Benny Härlin, Save Our Seeds

Wie auch immer das Endresultat ausfallen wird: Die neue Saatgutverordnung fördert die zunehmende Machtkonzentration der bereits heute dominanten Saatgutkonzerne. Eine aktuelle Studie der Erklärung von Bern (EvB) belegt, dass die drei grössten Saatgut-Produzenten – Monsanto, DuPont und Syngenta – weltweit mit einen Marktanteil von über 50% im Geschäft sind. Bei einzelnen Sorten ist der Anteil sogar noch höher, bei Zuckerrüben erreicht er unglaubliche 90%. In den letzten Jahren konnten die grossen Firmen ihre Macht kontinuierlich ausbauen. Obwohl die Zulassungsverfahren in der EU schon seit langer Zeit existieren, gab es jedoch in allen 27 Mitgliedstaaten Ausnahmeregelungen. In der nun vorgesehenen Verordnung hingegen kann eine Sorte, die in einem EU-Land zugelassen wird, automatisch im gesamten EU-Raum kultiviert werden. Eine der letzten grossen Hürden für die Monsanto & Co. wäre damit aus dem Weg geschafft. Die Sorten, die diese Unternehmen auf den Markt bringen, sind in der Regel stark homogenisierte Hybride, welche im ersten Jahr für äusserst ertragreiche Ernten sorgen. Danach geht der Ertrag jedoch so stark zurück, dass die Bauern bald gezwungen sind, neues Saatgut zu kaufen. So steigt ihre Abhängigkeit von den Saatgutproduzenten.

Syngenta, Monsanto und DuPont produzieren nicht nur Saatgut, sondern auch chemische Pflanzenschutzmittel. Indem sie diese perfekt auf die vermarkteten Pflanzensorten abstimmen, verkaufen die Konzerne umso mehr Pestizide, je mehr Saatgut sie umsetzen… und umgekehrt.

Neben Bauern und Konsumenten leidet die Umwelt besonders unter der zunehmenden Dominanz einiger grosser Saatgut- und Pflanzenschutzmittelproduzenten. Die Pestizide ebenso wie das homogenisierte Saatgut gefährden die Biodiversität weltweit. Gemäss EvB gingen allein im 20.Jahrhundert rund drei Viertel aller Nutzpflanzensorten verloren. Bei den aktuellen Entwicklungen dürften bald noch mehr verschwinden.

Weiterführende Infos
EvB Publikation: Agropoly – wenige Konzerne beherrschen die weltweite Lebensmittelproduktion (pdf), 2011
EvB (u.a.) Studie: Strukturen und Entwicklungen des Schweizer und internationalen Marktes für Saatgut am Beipiel ausgewählter Gemüsesorten (pdf), 2012
www.prospecierara.ch
PetitionSave our Seeds

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