Widerstand gegen Peperoni-Patent von Syngenta

Zahlreiche Bauern-, Umwelt- und Entwicklungsorganisationen aus 27 Ländern erheben beim Europäischen Patentamt (EPA) Einspruch gegen ein neues Patent von Syngenta. Das Patent auf konventionell gezüchtete, insektenresistente Peperonis erschwert die Pflanzenzucht für Landwirte  und stellt eine Bedrohung für die Ernährungssicherheit dar.

Peperonipflanzen, zu denen nebst Peperonis auch Chilis, Jalapeños und Peperoncinis gehören, sind als vielseitige Kulturpflanzen beliebt. Ihr grosser Nachteil besteht darin, dass sie äusserst anfällig für den Befall durch verschiedene Insektenarten sind. Zu den wichtigsten Schädlingen zählen die Thripse und die Weisse Fliege. Die Parasiten können zu drastischen Ernterückgängen führen und die Peperonis äusserlich so stark beschädigen, dass sie sich nicht mehr verkaufen lassen.

In Jamaica wächst seit langem eine wilde Peperoni, die natürlicherweise gegen Insektenbefall resistent ist. Über Umwege gelangte diese Peperoni in die Hände des Basler Agrarkonzerns Syngenta, der sie mit kommerziellen Peperonipflanzen kreuzte und durch konventionelle Züchtung das gewünschte Merkmal – die Insektenresistenz –selektionierte. Im Mai 2013 wurde die neue Peperoni vom Europäischen Patentamt (EPA) in München patentiert. Damit erhielt Syngenta die exklusiven Rechte an sämtlichen Peperonisorten, die eine Insektenresistenz aufweisen. Das Patent gilt in zahlreichen europäischen Ländern – auch in der Schweiz.

„Patente auf Saatgut sind nicht nur vom ethischen Standpunkt aus problematisch, sondern sie fördern auch die Marktkonzentration im Saatgutsektor, führen zu einer abnehmenden Biodiversität und gefährden unsere Ernährungssicherheit.“  Erklärung von Bern (EVB)

 

Anfang Februar 2014 hat eine Koalition aus 34 Nichtregierungsorganisationen – darunter auch die Erklärung von Bern (EVB) und Swissaid – beim EPA ein Protestschreiben gegen das Peperoni-Patent eingereicht. Mehrere gewichtige Gründe haben zum Widerstand motiviert: Patente sind grundsätzlich dienlich, um Erfindungen vor dem Missbrauch durch Konkurrenten zu schützen. Im Fall von Syngenta handelt es sich aber offensichtlichnicht um eine Erfindung, sondern die insektenresistente Peperoni kommt bereits in der Natur vor und ist vielmehr das Resultat eines langen Evolutionsprozesses. Indem Syngenta nun Konkurrenten ausschliessen kann, verschafft sich der Konzern einen ungerechtfertigten Marktvorteil. Der Saatgutmarkt verengt sich durch die Konzentration beim Multi, und die globale Ernährung wird weiter monopolisiert. Zwar schliesst Syngenta andere Züchter nicht vom Gebrauch der resistenten Peperoni aus, verlangt aber für deren Verwendung Lizenzgebühren, die sich viele Landwirte und Züchter nicht leisten können. Für sie wird der Zugang zu ihrem Basismaterial– den Pflanzen – erheblich erschwert, was wiederum zu weniger Innovationen in der Landwirtschaft und einer Abnahme der biologischen Vielfalt führt. Letztlich steht damit unsere Ernährungssicherheit auf dem Spiel, denn je kleiner die Biodiversität ist, desto krankheitsanfälliger werden die einzelnen Arten – ein verheerender Teufelskreis.

Bereits im Mai 2012 verabschiedete das Europäische Parlament eine Resolution, die das EPA dazu auffordert, Produkte aus konventioneller Züchtung nicht mehr zu patentieren. Bislang wurde die Aufforderung ignoriert – das Peperoni-Patent ist eine Folge davon.

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.