Die Schweiz wappnet sich für den Klimawandel

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung des fünften Berichts des UN-Klimarats IPCC, hat auch der Bundesrat den zweiten Teil seiner Strategie zur Anpassung an den Klimawandel verabschiedet. Der Aktionsplan zeigt auf, welche Auswirkungen des Klimawandels für die Schweiz zu befürchten sind, und wie wir uns darauf vorbereiten können.

Auch die Schweiz wird vom Klimawandel nicht verschont. Im mildesten Szenario resultiert bis Ende des 21. Jahrhunderts eine grossflächige Erwärmung um 1,5 °C bis 2 °C. Im stärksten Szenario beträgt die mittlere saisonale Erwärmung sogar über 4,5 °C. Die Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz sind bereits jetzt zu spüren: Seit 1998 nimmt das Gletschervolumen jährlich um ungefähr 1km3 ab. Das Auftauen des Permafrosts führt zu instabileren Hängen, Felsstürzen und Murgängen. Die Schneefallgrenze steigt und im Winter treten vermehrt heftige Niederschläge und Hochwasser auf. Im Sommer werden uns Hitzewellen und längere Trockenperioden beschert. Die biologische Artenzusammensetzung verschiebt sich und fremde Pflanzen- und Tierarten wie die asiatische Tigermücke breiten sich aus.

Mit verschiedenen Massnahmen wie dem CO2-Gesetz, versucht der Bund das Fortschreiten des Klimawandels im Zaum zu halten. Doch ganz aufhalten lässt sich der Klimawandel nicht mehr. Umso wichtiger ist eine frühzeitige Anpassungsstrategie. Die Grundsätze des Aktionsplans hatte der Bundesrat bereits 2012 genehmigt. Der zweite Teil beinhaltet nun ein konkretes Massnahmenpaket, das in neun Sektoren Anwendung finden soll:

Im Sektor Wasserwirtschaft steht unter anderem die Erstellung neuer Konzepte für die Wasserspeicherung und Wasserverteilung auf dem Plan. Die Modelle zur Vorhersagbarkeit von Hochwasser und Trockenheit müssen angepasst werden. Im Rhein bei Basel ist eine Vertiefung der Fahrtrinne (!) in Planung, damit der Schiffverkehr auch bei Niedrigpegel gewährleistet ist.

Im Bereich Naturgefahren liegt der zukünftige Fokus auf der Überwachung von Permafrostböden und Rückzugsgebieten von Gletschern, sowie auf verbesserten Wetter- und Abflussvorhersagen.

In der Landwirtschaft soll geklärt werden, wie die verlängerte Vegetationsperiode optimal genutzt werden kann, z.B. mit einer entsprechenden Zuchtsortenauswahl. Da Trockenperioden sowie starke Regenfälle die Böden belasten, wird eine Bewirtschaftung angestrebt, welche die Bodenstruktur schont und fördert.

„Die direkten Auswirkungen des Klimawandels in der Schweiz ergeben sich unmittelbar aus den Veränderungen der Temperatur, des Niederschlags und anderer Klimagrössen. Die indirekten Auswirkungen ergeben sich aus den klimabedingten Veränderungen der natürlichen Systeme Wasser, Boden, Luft und Biodiversität.“
Aktionsplan des Bundes „Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz“, Zweiter Teil

In der Waldwirtschaft sollen Forschungs- und Monitorprogramme die Anpassung an den Klimawandel begleiten. Die Wahl der Baumarten und die Waldpflege muss überdacht werden. Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem der Errichtung und Pflege von Schutzwäldern, um sich vor Naturgefahren zu schützen.

Im Bereich Energie sollen bauliche Massnahmen dazu dienen, den Energieeinsatz für Heizungen und Klimaanlagen zu minimieren. Eine Änderung im Gewässerschutzgesetz soll sicherstellen, dass die Höchsttemperatur in Flüssen nicht durch das Einleiten von Kühlwasser überschritten wird.

Im Tourismus werden Massnahmen zur Förderung des Sommer- und Ganzjahrestourismus angestrebt.

Der Bereich Biodiversitätsmanagement wertet mittels Risikoanalysen die Auswirkungen des Klimawandels auf Arten und Lebensräume aus. Die Biodiversität soll aktiv gefördert werden, zum Beispiel durch die Aufwertung und Schaffung von Naturschutzgebieten.

Im Bereich Gesundheit sieht der Aktionsplan die Überwachung von neuartigen Krankheiten vor. Verschiedene Anpassungen an die erhöhten Temperaturen sind geplant; in den Städten sollen zum Beispiel Grün- und Freiflächen als Wärmedämpfer geschaffen werden.

In der Raumentwicklung sollen Konzepte stärker auf mögliche Naturgefahren und die Nutzung von erneuerbaren Energien abgestimmt werden.

Für die Umsetzung des Aktionsplans rechnet man auf Bundesebene mit Ausgaben von knapp 50 Millionen Franken bis 2019. Trotz der hohen Summe lohnt sich die schnelle Anpassung, denn „diese werde wesentlich günstiger sein als das spätere Beheben der Schäden“.

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