Schokolade – ein Schweizer Produkt?

Kako kommt grösstenteils aus Afrika. Kako kommt grösstenteils aus Afrika.

Die Schweiz ist stolz auf ihre Uhren, ihren Käse, ihre Sackmesser – und ihre Schokolade. Doch der Kakao in der Schweizer Schoggi stammt aus den südlichen Ländern – mit bitterem Beigeschmack. Unfaire Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Kinderarbeit gehören vor allem in den afrikanischen Ländern Ghana und der Elfenbeinküste zum tristen Alltag.

Schweizer sind Weltmeister im Schoggiessen: Knapp 12 kg werden hierzulande pro Kopf und Jahr konsumiert. Dies liegt nicht zuletzt am Spitzenruf der Schweizer Schokolade. Allzu oft geht dabei jedoch vergessen, dass das Nationalprodukt so schweizerisch gar nicht ist: Der Rohstoff der Schokoladeindustrie – der Kakao – wird grösstenteils in afrikanischen Ländern angebaut. Allein in Ghana und der Elfenbeinküste sind über 2 Millionen Betriebe für rund zwei Drittel der Weltproduktion zuständig. 90% der ghanaischen Bauernfamilien leben komplett oder zumindest teilweise vom Anbau von Kakao. Für sie schmeckt Schokolade nicht ganz so süss.

Die meisten Produzenten sind bäuerliche Familienbetriebe mit einer Jahresproduktion von einer bis zwei Tonnen. Da sich die Bauern kaum Angestellte leisten können, werden oft Kinder eingesetzt. Schätzungsweise 1,8 Millionen Kinder schuften in Westafrika auf Kakaoplantagen, oft ohne dass sie dafür entlohnt werden. Die Kindersklaven leiden unter knallharten Arbeitsbedingungen und einem hohen Verletzungsrisiko, etwa durch den Gebrauch von Macheten. Die extreme Armut zieht weitere soziale Probleme nach sich: Defizite in der Schulbildung, der Wasserversorgung, im Gesundheitswesen, usw.  Nicht zuletzt schadet sich die Industrie durch schlechte Produktionsbedingungen aber auch selbst, denn mangelnde landwirtschaftliche Kenntnisse der Bauern haben zunehmend kranke Kakaopflanzen und damit einhergehende Ernteengpässe zur Folge. Erfahrungsgemäss gelangt nur ein Bruchteil des Preises, den die Industrie für den Kakao bezahlt, bis zu den Bäuerinnen und Bauern. Der Weltmarktpreis für Kakao schwankt zudem stark.

 

„5,5 Millionen Kakaobauernfamilien und ihre 14 Millionen Arbeiter arbeiten auf den Kakaoplantagen. Und erhalten nur 7% des Preises einer Tafel Schokolade.“
Erklärung von Bern

 

Die Erklärung von Bern (EvB) hat im Rahmen ihres Schoggi-Guides 19 Schweizer Unternehmen der Schokolade- und Kakaobranche befragt. Bewertet wurde anschliessend, wie ernsthaft die Unternehmen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen und sich für fairere Produktionsbedingungen einsetzen. Während der Kakaohändler Pronatec und das Unternehmen Chocolats Halba vorbildlich abschnitten, werden Nestle, Lindt & Sprüngli, sowie Frey als nachlässig beurteilt. Einige Unternehmen, zum Beispiel Camille Bloch und Chocolat Alprose, verweigerten die Teilnahme an der Befragung.

Die EvB erklärt, die Schweiz müsse auf drei Ebenen handeln. Für die Unternehmen sind eine transparente Lieferkette, Massnahmen zur Einhaltung der Arbeits- und Menschenrechte und deren Kontrolle unerlässlich. Zentral ist dabei die Rückverfolgbarkeit der Kakaorohstoffe, denn wenn diese fehlt, kann gar nicht erst  gegen Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen vorgegangen werden. Zweitens müsse der Schweizer Staat seine Verantwortung wahrnehmen und die Unternehmen dazu verpflichten, bezüglich dieser Punkte regelmässig Rechenschaft abzulegen. Schliesslich ist auch der Beitrag der Konsumierenden nicht zu unterschätzen: Indem sie Schokolade von verantwortungsvollen Herstellern kaufen, schaffen sie zusätzliche Anreize für faire Produktionsbedingungen.

Dabei empfiehlt es sich auf Produktelabels zu achten, wie zum Beispiel Max Havelaar, UTZ, Rainforest Alliance und Bio – wobei die EvB die Max-Havelaar-Standards zu den fortschrittlichsten zählt.

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