„Aus in der Schweiz nicht zugelassener Haltungsform“ – Fleischdeklarationen gewinnen an Gewicht

Konsumenten interessierren sich für die Herkunft ihres Fleisches. Konsumenten interessierren sich für die Herkunft ihres Fleisches.

Als die Pflicht zur Fleischdeklaration 1996 eingeführt wurde, wusste noch niemand, wie sehr sich einst die Gäste der Schweizer Gastronomie für die Herkunft interessieren würden. Nebst dem Herkunftsland muss auch deklariert werden, wenn bei der Fleischproduktion Hormone oder Antibiotika als Leistungsförderer eingesetzt wurden. Politische Bestrebungen sind im Gange, dass Importfleisch deklariert werden muss, wenn es Schweizerischem Tierschutzrecht widerspricht. Bei Kaninchenfleisch gilt diese Regelung bereits. Die Vertriebe setzen sie allerdings kaum um.

Mindeststandards der Schweiz gelten nicht fürs Ausland

Durch das Tierschutzgesetz ist in der Schweiz ein Mindeststandard in der Tierhaltung sichergestellt. Im Ausland hingegen bestehen in den meisten Fällen keine gesetzlichen Vorschriften zum Tierschutz und wenn sie existieren, dann entsprechen sie nicht dem in der Schweiz geforderten Mindeststandard. Nichtsdestotrotz importiert die Schweiz grosse Mengen Fleisch und Fisch, die laut unserem Gesetz aus tierquälerischer Haltung stammen. Diese Massenprodukte werden dann ohne Angaben über die Aufzucht der Tiere verkauft. Darunter leiden besonders die Tiere. Aber auch die getäuschten KonsumentInnen und die Schweizer Produzenten, die sich an die Tierschutzauflagen halten, gehören zu den Verlierern.

“Aus Haltungsform, Jagd oder Schlachtung, die nicht Schweizer Recht entsprechen”

Die Pflicht zur Fleischdeklaration wurde 1996 wegen der BSE-Seuche eingeführt. Nebst dem Herkunftsland muss auch deklariert werden, wenn bei der Fleischproduktion Hormone oder Antibiotika als Leistungsförderer eingesetzt wurden, was hierzulande verboten ist. Eine parlamentarische Initiative von 2013 fordert nun, dass neu alle importierten Produkte, die nicht dem Schweizer Tierschutzgesetz entsprechen, mit der Angabe “aus Haltungsform, Jagd oder Schlachtung, die nicht Schweizer Recht entsprechen” versehen werden. Dies würde auch im Offenverkauf oder für die Speisekarte im Restaurant gelten. So könnte verhindert werden, dass die Tierschutzbemühungen der Schweiz durch Importe ad absurdum geführt werden. Zudem würde sie der sensibilisierten Schweizer Bevölkerung die Möglichkeit geben, beim Einkauf Produkte unterschiedlicher Tierhaltung zu unterscheiden. Der Nationalrat hat den Vorstoss bereits gutgeheissen, als nächstes muss der Ständerat darüber befinden. Noch weiter geht die Fair-Food-Initiative der Grünen. Sie fordert, dass alle importierten Nahrungsmittel Schweizer Standards entsprechen sollen.

Beispiel: Kaninchen

Für Kaninchenfleisch gilt seit zwei Jahren eine solche Deklarationspflicht. Den Schweizer Kaninchen geht es von Gesetzes wegen also gut. Neben der Grösse ist auch die Gestaltung der Kaninchenbuchten bis ins Detail geregelt; besonders berücksichtigt werden auch die sozialen Bedürfnisse der Kaninchen. Die EU jedoch kennt keine vergleichbare Gesetzgebung zum Wohl der Tiere. Das dort produzierte Käfigfleisch, das nach hiesigen Massstäben gesetzeswidrig produziert wird, landet auch auf Schweizer Tellern. Verantwortlich dafür ist das Cassis-de-Dijon-Prinzip der EU; demnach müssen Produkte, die in einem Mitgliedstaat nach den dort gültigen Regeln hergestellt worden sind, überall in der Union zugelassen werden.

Die bilateralen Verträge ermöglichen damit, dass die Schweizer Tierschutzbestimmungen ausgehebelt werden und Kaninchenfleisch, dessen Produktion hierzulande verboten ist, aus dem EU-Raum in die Schweiz importiert wird. In einer Käfigbatteriehaltung haben die Kaninchen nur eine A4-Seite Platz, stehen auf Drahtgittern, haben weder Einstreu noch Beschäftigung, verfügen über keine Rückzugsorte und können sich kaum bewegen, nicht ausgestreckt liegen oder sich aufrichten. Dennoch wurde das Fleisch solcher Tiere den Schweizer Kunden bis vor kurzem ohne jeden Hinweis auf die Produktionsbedingungen zum Verkauf angeboten.

Viele scheren sich nicht um Kaninchen-Deklaration

Seit Januar 2012 gilt nun die Deklarationspflicht für Kaninchenfleisch, das nicht unseren gesetzlichen Anforderungen entspricht (Verordnung über die Deklaration für landwirtschaftliche Erzeugnisse aus in der Schweiz verbotener Produktion). Die Täuschung der Konsumenten sollte also endgültig der Vergangenheit angehören. Den Konsumenten werde durch die neue Regelung die Wahlmöglichkeit und die Transparenz gewährleistet, so der Bundesrat. Dennoch gelangen gemäss Recherchen der Weltwoche nach wie vor Hunderte Tonnen Kaninchen-Fleisch in die Schweiz, die nicht artgerecht hergestellt wurden. Händler, Metzgereien und Restaurants scheren sich laut Weltwoche grösstenteils nicht um die Deklaration. Umweltnetz-Schweiz empfiehlt – wenn überhaupt –dann Schweizer Fleisch zu konsumieren.

Weitere zum Thema:
Kassensturz vom 14. Oktober 2014 –Schweinefleisch aus Deutschland: So leiden die Ferkel

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