Nicht dem Euro-Preiswahn verfallen

Die Freigabe des Euro-Frankenkurses durch die SNB belastet nicht nur die Wirtschaft. Die Freigabe des Euro-Frankenkurses durch die SNB belastet nicht nur die Wirtschaft.

Die Einkaufstasche im nahen Ausland füllen, kurz und spontan mit dem Flieger in die Ferien, Fertigprodukte aus dem Ausland zum Billigtarif: Der tiefe Eurokurs verführt viele zum schnellen, günstigen Konsum. Alle diese Aktivitäten brauchen aber viel Energie; negative Auswirkungen auf die Umwelt sind vorprogrammiert. Wir empfehlen: Lassen Sie sich nicht zu voreilig vom Preis steuern und machen Sie nicht etwas, nur weil es jetzt günstig ist.

Deutsche Läden, überrannt von Schweizer Einkaufstouristen: Die Bilder beschäftigten viele Eidgenossen, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Mindestsatz für den Euro aufgehoben hatte. Meist diskutierten die Leute über die Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft. Dabei geht oft vergessen: Wer mit einem VW Golf mit Benzinmotor von Luzern nach Basel zum Einkaufen über der Grenze und zurück fährt, stösst rund 40 Kilogramm klimaaktives CO2 aus. Das ist in etwa das Zwanzigfache einer kurzen Einkaufsstrecke mit demselben Auto in ein regionales Einkaufszentrum. Der Unterschied zum Einkauf mit dem Velo ist dementsprechend noch grösser. Auch der günstige Wochenendausflug mit dem Flugzeug nach Berlin oder die nicht nachhaltig produzierte Fertigmahlzeit trampeln auf dem Buckel des Klimas. Ob sich der günstige Eurokurs tatsächlich negativ auf die Umwelt auswirken werde, sei derzeit schwer abzuschätzen, erklärt hingegen Loa Buchli, Sektionschefin Ökonomie beim Bundesamt für Umwelt (Bafu). „Erfahrungsgemäss halten sich die Konsumenten in wirtschaftlich unsicheren Zeiten mit Konsumausgaben zurück“, schreibt sie gegenüber umweltnetz-schweiz.

Detailhändler senken Preise

Entscheidend für die Umwelt ist nicht nur, wo man einkauft, sondern auch was. Der Euro sitzt hier ebenfalls wieder mit am Spieltisch. Seit der Aufhebung des Mindestkurses buhlen Schweizer Detailhändler mit gesenkten Preisen um Kunden, wie 20 Minuten schreibt. Coop zum Beispiel hat laut einem Bericht des Gratisblatts die Preise von 800 Artikeln gesenkt. Für Aufsehen in den Gratismedien sorgte jüngst auch eine Tiefkühlpizza, die Aldi für 99 Rappen anbietet (20 Minuten). Jetzt ist der Discounter mit dem Eurozerfall noch weiter gegangen und senkt den Preis für die 300-Gramm-Pizza auf 85 Rappen; das ist günstiger als ein Brötchen beim Beck. Gemäss 20 Minuten wird die Pizza in Berlin hergestellt, mit Edamer-Käse aus Deutschland, Holland und Dänemark sowie Mozzarella aus der EU; in der Pizza stecken also nicht nur massig Kalorien, sondern auch noch etliche Transportkilometer, bis sie in den heimischen Backofen fliegt.

Reisen wird günstiger

Dass Euro und Schweizer Franken derzeit ziemlich genau 1 zu 1 gehandelt werden, hat neben dem Warenkauf auch das Reisen günstiger gemacht. Wie die Aargauer Zeitung berichtet, geben zahlreiche Reisebüros die tieferen Preise weiter. Badeferien im Euro-Raum sind zwischen 10 und 20 Prozent günstiger. Helvetic Tours zum Beispiel bietet bis am 14. Februar einen Euro-Rabatt von 15 Prozent auf ausgewählte Pauschal-Badeferien am Mittelmeer. Auch Hotelplan Suisse verkündete in einer Medienmitteilung, sie würden die Wechselkurs-Vorteile weitergeben, Kunden könnten von Preisreduktionen von bis zu 20 Prozent profitieren. Nicht nur in den Euroländern seien Ferien derzeit günstig wie nie, sondern auch in England dank schwachem Pfund und in den USA des attraktiven Dollar-Kurses wegen, schreibt der Reiseveranstalter. Ferner schliesse Hotelplan Suisse viele Leistungsverträge in Euro ab, weshalb Kunden von günstigen Preisen in Ländern wie der Türkei, Tunesien und Ägypten profitieren könnten.

 

Im Vergleich zum Januar 2014 haben wir diesen Januar bereits eine Buchungszunahme im zweistelligen Prozentbereich für die Sommersaison."
Anja Dobes, stv. Mediensprecherin Hotelplan Suisse

Anja Dobes, stellvertretende Mediensprecherin und verantwortlich für Nachhaltigkeit bei Hotelplan Suisse, erklärt gegenüber umweltnetz-schweiz: „Im Vergleich zum Januar 2014 haben wir diesen Januar bereits eine Buchungszunahme im zweistelligen Prozentbereich für die Sommersaison. Die Kunden buchen nach den Festtagen generell die Reisen für das Jahr, insbesondere ihre Sommerferien. Der günstige Europreis wird ein Grund mehr sein, jetzt zu buchen.“ Ob dies schliesslich zu mehr Flugbewegungen führen wird, mochte Dobes noch nicht beantworten. Es sei noch unklar, ob schliesslich im Sommer mehr Reisegäste unterwegs sein werden: Dies hänge von den noch folgenden Buchungen ab. Beliebte Destinationen seien unter anderem die Kanaren und Balearen sowie Griechenland. Sollten im Sommer mehr Kunden ihre Ferien im Ausland verbringen, würde dies auch mehr Flügen entsprechen, zumal Hotelplan Suisse zwar auch Zugreisen verkauft, das Flugzeug laut Dobes aber klar überwiege. Kurzfristig buchen die Leute übrigens vor allem Städtereisen im Euroraum, die Saison für das Mittelmeer läuft erst im Frühsommer an.

Nicht vom Geld leiten lassen

Die günstige Pizza, eine Städtereise mit dem Flugzeug zum Schnäppchenpreis, sich im Ausland günstig mit Lebensmitteln eindecken: Auf den ersten Blick wirkt dies verlockend. Umweltnetz-schweiz jedenfalls empfiehlt: Halten Sie einmal kurz inne, bevor Sie zuschlagen. Lassen Sie sich beim Einkauf nicht (nur) vom Geld leiten. Achten Sie trotz Preisreduktionen auf Qualität und Ökologie von Produkten, kaufen Sie regional und in der Nähe ein und überlegen Sie sich zweimal, ob Sie wirklich mit dem Flieger verreisen möchten oder ob es Ferien in der Nähe nicht auch tun. Wenn nicht die Umwelt, wir werden es Ihnen sicherlich danken. 

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