Land Grabbing: Die aktuelle Rolle der Schweiz

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Auf der ganzen Welt werden grosse, landwirtschaftlich nutzbare Gebiete aufgekauft. Entweder mit dem Ziel Geld anzulegen oder um dort eigenhändig Landwirtschaft zu betreiben. Die lokale Bevölkerung sowie die Umwelt zählen dabei meist wenig und der Gewinn fliesst ins Ausland ab. Auch Schweizer Firmen beziehungsweise Banken müssen sich diesbezüglich berechtigte Kritik gefallen lassen.

Die Schweiz als Beispiel eines Global Players

Die Schweiz kann auf rund 300‘000 ha (oder 3‘000 km2) Getreide, Gemüse, Obst und Beeren anbauen. Der Rest der rund 1 Mio. ha landwirtschaftlich nutzbarer Fläche taugt maximal als Grünfläche. Das Ackerland, das somit pro Kopf zur Verfügung steht, beträgt nur rund einen Viertel des EU-Schnitts. Anstatt die fehlenden Produkte aus dem Ausland zu importieren, werden immer häufiger Flächen im Ausland gekauft und bebaut, um den Hunger im Inland zu stillen. Wenn dies meistens auch nicht direkt passiert, so sind doch Schweizer Banken mit unzähligen Millionen Franken nicht unwesentlich an den ethisch bedenklichen Umtrieben des Land Grabbing beteiligt.

Eine Untersuchung von Brot für Alle

In einer Untersuchung von Brot für Alle wurden 17 internationale Firmen, die im Ausland negativ aufgefallen sind sowie 17 Schweizer Banken, die diese potenziell finanzieren, unter die Lupe genommen. Diese Finanzierung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen: Firmenkredite gewähren, Aktien- und / oder Obligationen ausgeben, Aktienanlagen verwalten, Anleihen decken. Bei der Migrosbank, der PostFinance, der Raiffeisen Schweiz und der Vontobel wurden keine Verbindungen zu den 17 angeprangerten Firmen gefunden. Die beiden Banken mit den grössten Beteiligungen sind die Bank J. Safra Sarasin und die Credit Suisse (CS).

Die J. Safra Sarasin war bei der Überprüfung im August 2014 nur bei einer Firma (IOI Corporation) als Shareholder beteiligt, dafür aber gleich mit über 400 Millionen Schweizer Franken. Der IOI Corp. wird vorgeworfen in Indonesien illegal Bäume gefällt zu haben und die Arbeiterrechte massiv verletzt zu haben.

Die CS war im Frühjahr 2014 Shareholder von 8 der 17 untersuchten Firmen und Bondholder (Anleihen) bei zweien. Unter anderem wird den betreffenden Partnerfirmen folgendes vorgeworfen: Illegale Waldrodung, Vertreibung der Lokalbevölkerung ohne Kompensation, schlechte Arbeitsbedingungen, weder soziales noch ökologisches Engagement, Gewässerverschmutzung, Zerstörung von heiligem Land, Bulldozern von Gemeindeland, Beschränkung der Rechte der Gemeinden, Entwaldung grosser Gebiete intakten Regenwalds, Anwendung von Gewalt, sowie sexuelle Übergriffe. Das ist so ziemlich das gesamte Sündenregister, zu dem die Praxis des Land Grabbing weltweit Anstoss bietet. Meist ist die CS nur ein Shareholder mit weniger als einem Tausendstel der Shares. Einzig in einem Fall hält sie 10 % der Shares; bei Hoang Anh Gia Lai (HAGL). Die vietnamesische HAGL steht im Verdacht für ihre Plantagen in Kambodscha und Laos Gemeindeland planiert und grosse Flächen intakten Regenwalds gerodet zu haben. Der Gesamtwert der Shares der CS beläuft sich auf 94.5 Mio. SFr. Weiter haftete sie für Anleihen im Wert von ungefähr 175 Millionen SFr.

Die UBS gehört mit ihren Shares im Wert von 36.7 Mio. SFr. (an dritter Stelle der untersuchten Schweizer Banken) im Vergleich schon beinahe zu den Banken mit einer geringen Beteiligung. Nur, wie sollen die lokalen Kleinbauern und Kooperationen da mithalten?

Die betroffenen Länder sind Sierra Leone, Kambodscha, Kamerun, Indonesien, Liberia und Uganda. Wenn sich auch vielleicht nicht alle Beschuldigungen bewahrheiten, so reicht eine Teilschuld aus, um sich die Beteiligung an solchen Shares nochmals zu überdenken. Oder aber man nutzt die Beteiligung konstruktiv: Als Geldgeber könnten die Schweizer Geldinstitute auch positiv auf die Einhaltung von ethischen, moralischen und ökologischen Grundsätzen hinwirken!

Weitere Informationen:
Brot für Alle Report über die Schweizer Beteiligung
Aktuelle Artikel zu Land Grabbing weltweit
Aktuellster Bericht über die Beteiligung der Schweiz - 23. Juni 2015

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