Gold aus Togo

Pouring liquid Gold. Flüssiges Gold wird gegossen. Pouring liquid Gold. Flüssiges Gold wird gegossen.

In den letzten 10 Jahren hat die Schweiz jährlich zwischen 6 und 15 t Gold aus Togo importiert – notabene aus einem Land, das offiziell kein Gold produziert. Das Gold stammt grösstenteils aus Kleinminen in Burkina Faso. Bis zu 50 % Minderjährige arbeiten dort ohne Schutzausrüstung.

Everyone’s at it – Jeder macht mit

Die Erklärung von Bern (EvB) hat den Weg des togolesischen Goldes nachverfolgt. In Burkina Faso haben sie die Spur aufgenommen. Dort sind mehr als 200‘000 Menschen direkt von der Arbeit in Kleinminen abhängig. Noch einmal bis zu einer Million Menschen sind indirekt im informellen Dienstleistungssektor vom Gold abhängig. Die meisten Minen sind Kleinstbetriebe, nur wenige ziehen tausende Arbeiter an. Häufig werden Fundorte in kürzester Zeit ausgebeutet; die Löcher zurückgelassen, wenn die Mine erschöpft ist.

In den fünf Grabungsstätten, die die EvB besuchte (Tikaré, Yabo, Alga, Karentenga und Tikando), waren die Arbeiten militärisch präzise organisiert. Digger (Ausgräber) und Operating Support (Betriebsunterstützer) arbeiten jeweils 12-Stunden-Schichten von Montag bis Sonntag. Jede Crew hat auch einen Chief. Abgesehen von der Arbeit, die strikt überwacht wird, läuft der Rest anarchisch: Die Menschen schlafen, essen und arbeiten alle am selben Ort. Sanitäre Anlagen gibt es kaum.

Das erste Loch wird mit Dynamit herausgesprengt

Vor dieser Sprengung werden nur die unmittelbaren Nachbarsminen gewarnt und evakuiert. Die Gänge werden anschliessend von Hand gegraben, um den Goldadern folgen zu können. Die Belüftung ist nur notdürftig; Ersticken ist - wie Begrabenwerden – keine Seltenheit.

Das herausgebrochene Material wird von Hand oder mit dem Scooter zur Mühle gebracht. An den schweren Maschinen dort arbeiten offiziell nur Männer über 18 Jahren. Die Atemmasken sind selbst genäht. Der allgegenwärtige Staub führt häufig zu Erkrankungen des Atmungstrakts.

Das Geröll wird anschliessend in Auswaschrinnen geschwenkt, um den wertlosen Silt (groben Sand, Lehm) abzutrennen. Der Schlamm wird mit Blei und später Cyanid vermengt, um das Gold herauszulösen. Blei ist sehr schädlich für das Immunsystem, die Verdauung, die Lunge und die Nieren. Das gewonnene Gold wird direkt vor Ort zu Klumpen und kleinen Barren geschmolzen.

Helme, Schuhe oder Schutzbrillen werden nirgends verwendet

Jeder einzelne Schritt der Goldverarbeitung wäre für Jugendliche unter 18 Jahren gesetzlich verboten. Tatsächlich aber sind 30-50 % der Arbeiter minderjährig. Zudem haben viele heute Erwachsene ihre Arbeit in den Minen als Minderjährige aufgenommen. Sehr häufig sind es Kinder, die während der Trockenzeit, während der sie nicht den Eltern auf den Feldern helfen können, zusätzlich Geld zu verdienen versuchen und dafür die Schule abbrechen.

Die meisten Bergarbeiter, die in die bis zu 170 m tiefen Schächte hinuntersteigen trauen sich dies nur nach dem Konsum von Alkohol, Cannabis oder Amphetaminen zu. Letztere wären zwar ebenfalls verboten, die Nachbarländer sind allerdings bekannte Produktions- und Schmuggelzentren dafür.

Vier der fünf besuchten Minen verkaufen ihr Gold an SOMIKA, eins der grössten Handelshäuser in Ouagadougou (Hauptstadt Burkina Fasos). Die Repräsentanten von SOMIKA bestreiten jede Form von Kinderarbeit.

Ein Teil des Goldes wird offiziell deklariert und exportiert. Der Rest wird auf dem Landweg nach Lomé (Togo) geschmuggelt. Dort wird es ‘legalisiert‘ und am Zoll deklariert. Da der Togolesische Goldzoll nur ein Zehntel desjenigen von Burkina Faso kostet, spart man pro Gramm Gold 84 Rappen – ein gutes Geschäft. So entgehen Burkina Faso mehr als 6 Millionen Steuergelder.

Wafex Sàrl (Ammar Group) exportiert ungefähr die Hälfte des Togolesischen Goldes in die Schweiz. Dort wird es im Tessin in der Valcambi raffiniert und anschliessend an die MM Multitrade (ebenfalls Ammar Group) geliefert.

„Stell keine Fragen und Sie erzählen dir keine Lügen“

Der Staat Burkina Faso wäre nicht auf die Kinderarbeit angewiesen. Zusätzlich wäre es ein leichtes die Mengen geschürften Goldes besser zu beobachten, da alle Zwischenschritte immer auf Papier ausgewiesen werden. Die Politik scheint daran allerdings wenig interessiert.

Die Firma MM Multitrade betonte, sie hielten sich an die Responsible Gold Sourcing Policy und die OECD Due Diligence Guidance (Sorgfaltspflicht).

Der Schweizer Zoll prüft ab und zu Goldsendungen aus dem Ausland nach folgenden Risikokriterien: Reinheitsgrad, Herkunft, Importeur und Ziel. Zuverlässige Destinationen werden weniger häufig kontrolliert. Die Raffinerie und der Importeur sind für die Einhaltung der Sorgfaltspflicht zuständig.

Die Richtlinien bestehen also. Es sollte aber auch noch gesetzlich gefordert werden, dass Firmen regelmässig ihre Goldquellen überprüfen. Wenn dies eine kleine NGO trotz minimaler Kooperation der einzelnen Glieder der Produktionskette geschafft hat, sollte das nicht zu viel verlangt sein.

Weitere Informationen:
A Golden Racket - a Berne Declaration investigation (dt./eng.)
Die Konzernverantwortungsinitiative

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