Ein Kommentar zum ‘Grünen Zwang‘

Die Initiative sollte als Chance genutzt werden, dem Image als Innovations-Nation gerecht zu werden. Die Initiative sollte als Chance genutzt werden, dem Image als Innovations-Nation gerecht zu werden.

Noch knapp zwei Wochen bis zum Abstimmungssonntag in der Schweiz. In Bezug zur Umwelt steht hier die Initiative für eine Grüne Wirtschaft. Hier folgen ein paar persönliche Gedanken zur Argumentation des Nein-Komitees.

Tagtäglich berichten wir auf dieser Plattform über unsere Umwelt – oftmals in warnendem oder mahnendem Tonfall: Zu grosser Ressourcenverbrauch, zu günstige Produkte, Ausbeutung von Mensch und Natur… Am 25. September erhalten wir die Möglichkeit, etwas am übermässigen Ressourcenverbrauch der Schweiz zu ändern mit einem vorausschauenden, mutigen und vor allem zwingend nötigen ‘Ja‘ zur “Grüne Wirtschaft“-Initiative.
Im Folgenden wird auf einige Argumente der Nein-Fraktion eingegangen.

Neue Vorschriften behindern die Innovation

Die Schweiz verfügt über einen ökologischen Fussabdruck von über drei Erden. Wir benötigen mehr Ressourcen als nachwachsen können. Mit der verfassungsrechtlichen Verankerung der Ressourcenreduktion werden gerade der technologische Fortschritt und die Innovation gepusht. Neue, effizientere Modelle sind gefragt – und dabei erweisen sich besonders findige Unternehmer als Gewinner auf dem Markt. Die Schweiz ist seit jeher stolz auf ihre Vorreiterrolle, auf ihr Image und auf ihre Exportprodukte. Mit dieser Initiative erhält die Schweiz die Möglichkeit 2050 als Vorreiterin im Ressourcenmanagement zu brillieren.

Kein anderes Land kennt einen derart extremen Ansatz

Mitläufer sein ist immer einfacher, aber die Umwelt braucht Leader. Wohlgemerkt existieren auch in anderen Ländern ambitionierte Umweltprojekte: Dänemark möchte bis 2050 fossilfrei sein (gesamte Stromproduktion aus Windkraft und Biomasse). Auch Schweden möchte bis 2050 den Netto-Ausstoss von Treibhausgasen auf null reduzieren und einen von fossilen Brennstoffen unabhängigen Verkehrssektor bis 2030 etablieren. Norwegen will bereits ab 2025 keine Benzin- und Dieselautos mehr zulassen. Die Schweiz dagegen hinkt in ökologischer Planung noch weit hinterher.

Die Schweiz und ihre Wirtschaft sind schon grün

Diese Argumentation scheint etwas widersprüchlich: Zum einen wird von Zwang und Käfig gesprochen, zum andern ist die Schweizer Wirtschaft bereits grün. Es gibt sicherlich Vorreiter in unserer Wirtschaft, welche den nachhaltigen Gedanken bereits verfolgen, von einer generell grünen Wirtschaft sind wir jedoch noch ‘etwas‘ entfernt. Gerade die geforderte Kreislaufwirtschaft bietet hierbei noch Potenzial. Die Initiative möchte hierbei Forschung und Innovation fördern, um mehr Ressourcen wieder in die Produktion zurückführen zu können.

Die Initiative führt zu einer neuen Zweiklassengesellschaft

Als kleine Erinnerung: Mehr als dreimal die Erde wäre erforderlich, wenn alle wie die Schweizer Bevölkerung leben würden. Woher kommen nun all die Ressourcen, von welchen die Schweizer und Schweizerinnen leben? Ja, genau: Zu einem grossen Teil aus dem Ausland. Ist es denn nicht überheblich zu behaupten, durch die ehrliche Bepreisung von Gütern (inkl. anfallende externe Kosten) entstünde in der Schweiz eine Zweiklassengesellschaft, während unser Konsumverhalten täglich die Ressourcen und Menschen anderer Länder ausbeuten? Herrscht den nicht bereits heute eine Zweiklassengesellschaft: Solche, die auf Kosten anderer leben und solche, welche einen Ressourcenverbrauch unter ‘einer Erde‘ verzeichnen?

34 Jahre…

Bis 2050 bleiben uns 34 Jahre. Die Gegner der Initiative meinen, diese Zeit reiche nicht, um Änderungen in unserer Wirtschaft zu erwirken.
Dass in 34 Jahren eine Menge bewegt werden kann, sehen wir, wenn wir unseren Blick zurück richten. Seit dem Jahr 1982 wurde die Welt politisch umgekrempelt: Die Mauer fiel, die Sowjetunion löste sich auf und auch im letzten Schweizer Kanton wurde das Frauenstimm- und Wahlrecht eingeführt. Aber auch die technische Innovation des Internets und die Einführung des Smartphones konnte sich in den 80er-Jahren wohl kaum einer vorstellen.
In 34 Jahren wird eine andere Elite das Land regieren, eine Generation, welche bereits mit den Begriffen Nachhaltigkeit, Suffizienz und der Endlichkeit von Ressourcen aufgewachsen ist. Für sie wird es selbstverständlich sein, mit erneuerbaren Energien zu produzieren, strombetriebene Autos zu fahren oder in intelligenten, stromproduzierenden Überbauungen zu leben. Wir können heute die Basis dafür schaffen.

Der Mensch ist wandelbar, die Gesellschaft auch. Wagen wir es!
(P.S.: Und nein, niemand wird dazu kalt duschen müssen…)

 

Weiterführende Informationen/Quellen:
Grüne Wirtschaft, Ja-Komitee
Initiativtext
Grüne Wirtschaft, Nein-Komitee

 

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.