Zahlen der Wahlen: Unser neues Schweizer Parlament

Das Bundeshaus erscheint in einer neuen Farbe. Grün ist die Gewinnerin der Stunde. Das Bundeshaus erscheint in einer neuen Farbe. Grün ist die Gewinnerin der Stunde.

Ihr habt gewählt, es wurde gezählt, jetzt wird erzählt: Die Ergebnisse der eidgenössischen Wahlen vom Sonntag dem 20. Oktober.

Das Ergebnis der diesjährigen Wahlen hat das Resultat vom Jahr 2015 „korrigiert“. Der damalige Sieg der SVP wurde gestern revidiert. Die „grüne Welle“ hat mit voller Wucht eingeschlagen. Die Grünen gehen als klare Gewinner aus dem Wahlsonntag hervor. Neu sind sie die viertstärkste Partei – die CVP haben sie überholt und der FDP sind sie dicht auf den Fersen. 17 zusätzliche Sitze im Nationalrat konnte sich die GPS sichern. Dieser Wandel wird die Schweiz nun mindestens für die nächsten vier Jahre prägen. Die Grünliberalen konnten neun neue Sitzplätze verzeichnen. Neu steht ausserdem zur Debatte, ob die Grüne Partei Anrecht auf eine Bundesrätin hat. Vor vier Jahren noch mussten diese beiden Parteien Verluste verzeichnen. Anders sieht es auf Seiten der SVP aus. 2015 gewann die rechtsorientierte Partei elf Sitze hinzu, am Sonntag dem 20. Oktober 2019 musste sie zwölf wieder abtreten. Trotzdem bleibt die Schweizerische Volkspartei – mit ihren 53 Sitzen - im Nationalrat stärkste Partei.

Neue Sitzverteilung im Nationalrat 2019:
SVP: 53 Sitze / 27% / -12
SP: 39 Sitze / 20% / -4
FDP: 29 Sitze / 14% / -4
GPS: 28 Sitze / 14% / +17
CVP: 25 Sitze / 13% / -3
GLP: 16 Sitze / 8% / +9
EVP: 3 Sitze / 2% / +1
BDP: 3 Sitze / 2% / -4
Übrige: 4 Sitze (EDU, Lega, PdA, Sol)

Wahlbeteiligung

Wenn die Partei der Nicht-Wähler existieren würde, hätte Sie einmal mehr einen unglaublichen Sieg eingefahren. Nicht mal jeder zweite der stimmberechtigten Schweizerinnen und Schweizer nahm an der diesjährigen Wahl teil. Nur bei mickrigen 45.1 Prozent liegt die Wahlbeteiligung der eidgenössischen Wahlen 2019. Im 21. Jahrhundert haben sich noch nie so wenige Stimmberechtigte an die Urne gewagt. 2015 lag diese Zahl noch bei 48.5%. Falls es jemand schaffen sollte, die Nicht-Wähler für seine Ideen und Werte zu gewinnen, würde sich unsere Politik mit einem harten Schlag verändern. Alle Prognosen würden in sich zusammenbrechen. Die Behauptung, das Individuum könne nichts bewegen und die eigene Stimme hätte kein Gewicht, ist folglich inkorrekt.

Frauen
In diesem Jahr waren erstmals mehr als 40 Prozent der Kandidierenden weiblich. Das zeigt sich nun erfreulicherweise auch an der Neubesetzung des Nationalrats: 84 der 200 Plätze – also 42% - sind von Frauen besetzt. Damit ist zwar die moitié-moitié Forderung noch nicht erfüllt, doch die Weichen zeigen in die richtige Richtung.

Was bedeutet diese Wahl für unser Klima

Im Vorfeld der Wahlen war das Klima ein zentraler Dreh- und Wendepunkt. Die Thematik war treuer Begleiter von Diskussionen und Wahlkampagnen. Das resultierende Ergebnis bestätigt, dass die Wählenden ihren Wahlzettel auch in Bezug zur Klimafreundlichkeit der Partei ausfüllten. Parteien, die seit jeher den Schutz des Klimas und der Natur in ihrem Programm haben, konnten Sitze hinzugewinnen. Parteien mit dem Wortteil „grün“ sicherten sich dementsprechend einen Vorteil.
Die grüne Welle ist nun also auch in der Schweiz angekommen. Die Ökoparteien stehen nun aber unter Zugzwang. Mit ihrem Erfolg wird ihnen auch eine enorme Verantwortung auf die Schultern gelegt. Die Wahlbevölkerung glaubt daran, dass Grüne und Grünliberale etwas verändern können. Das müssen die beiden Parteien nun unter Beweis stellen. Mit dem neuen Kräfteverhältnisse könnte sich für uns – in der Schweiz Ansässigen – so einiges im Alltag verändern. Es stellt sich allerdings die Frage, wie und wo der Wandel ansetzen wird. In Hinblick auf die Umsetzung der Klimaforderungen gibt es nämlich auch unter den linken bzw. grünen Parteien unterschiedliche Vorstellungen. So vertrauen die einen auf Abgaben, Verbote und Subventionen, andere zählen auf die Instrumente der Wirtschaft.

Junge
Auch das Durchschnittsalter unseres Nationalrates wurde angepasst – es liegt neu beim Alter von 49 Jahren. Als markant kann diese Veränderung zwar nicht bezeichnet werden. Das Parlament der endenden Legislatur war im Durchschnitt 50.3 Jahre alt. Aber trotzdem: Noch nie wurde ein so junges Parlament gewählt wie am 20. Oktober 2019.

Ausblick

Die erfolgte Wahl kann guten Gewissens als historisch angesehen werden. Der Gewinn von 17 zusätzlichen Sitzen einer Partei, die den Umweltschutz im Parteiprogramm festgeschrieben hat, kommt einem Erdrutschsieg gleich. Die wahre Siegerin der Wahlen sind Klima und Umwelt. Die demokratische Schweiz hat sich für den Klimaschutz ausgesprochen. Das sollte als klare Botschaft an die Schweizer Politik - über die Ökoparteien hinaus - interpretiert werden: Der notwendige Wandel muss schnellstmöglich umgesetzt werden!

 

Quellen und weitere Informationen
wahlen.admin.ch: Eidgenössisches Wahljahr – Wahlwebseite des BFS
swissinfo.ch: Schweiz Wahlen 2019 Grafiken
SRF: Der Nationalrat ist so jung wie nie zuvor
parlament.ch: Jagdgesetz Änderung

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