Der Aktionsplan Food Waste des Bundes

In der Ukraine und in grossen Teilen der Welt droht eine Hungersnot – Gleichzeitig werden in der EU rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr verschwendet. In der Ukraine und in grossen Teilen der Welt droht eine Hungersnot – Gleichzeitig werden in der EU rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr verschwendet.

Zu viele Lebensmittel werden weggeworfen, darüber sind wir uns einig. Das Ausmass der Verschwendung würde jedoch wohl die meisten von uns erstaunen.

In der EU werden jährlich rund 88 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Angesichts des Hungerproblems in weiten Teilen unserer Erde ein Skandal. In Folge des Ukraine-Krieges droht die Zahl der unter Hunger leidenden Menschen nun noch deutlich zuzunehmen.

Die Schweiz schneidet bei der Lebensmittelverschwendung noch deutlich schlechter ab als das durchschnittliche EU-Land. Während in der EU 173 kg pro Kopf und Jahr verschwendet werden, sind es hierzulande 330 kg. Das sind ein Drittel der für den Schweizer Konsum bestimmten Lebensmittel. Die Auswirkungen auf die Umwelt sind frappierend. Die vermeidbaren(!) Lebensmittelverluste belasten die Umwelt jährlich gleich stark wie die Hälfte des motorisierten Individualverkehrs in der Schweiz.

Aktionsplan Food Waste soll Lebensmittelverschwendung bis 2030 halbieren

Jetzt soll der Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung ins Rollen kommen: Die Schweiz ist einer von fast 200 Staaten, welche die Agenda für eine nachhaltige Entwicklung bis 2030 der UNO verabschiedet haben. Dadurch hat sich die Schweiz verpflichtet, bis 2030 die Lebensmittelverschwendung zu halbieren (im Vergleich zu 2017). Mit der Verabschiedung des „Aktionsplan Food Waste“ hat der Bundesrat am 6. April einen ersten Schritt in Richtung der Umsetzung dieses Zieles unternommen. Der Aktionsplan schlägt verschiedene Massnahmen zur Erreichung des Ziels vor. Ein starker Fokus wird dabei auf die Ausarbeitung einer branchenübergreifenden Vereinbarung gelegt. Weiterhin sollen beispielsweise die Angabe der Haltbarkeitsdaten verbessert, Verpackungen optimiert oder die Anbauplanung angepasst werden. Dies alles soll zu einer deutlichen Reduktion der Lebensmittelverschwendung auf allen Stufen der Wertschöpfungskette beitragen.

Lebensmittelverschwendung ist auf allen Stufen der Produktionskette ein Problem. Die Haushalte sind mit einem Anteil von 38 % an der gesamthaft verursachten Umweltbelastung, die grössten Verursacher. Ein weiterer grosser Teil (27%) ist auf die Verarbeitung zurückzuführen.

   Eigene Darstellung. Daten: Bundesrat. Die Umweltbelastung nach Sektoren.

In den letzten Jahren hat das Bewusstsein für die Problematik bei der Bevölkerung sowie auch bei den Unternehmen der Lebensmittelbranche zugenommen. Zahlreiche Unternehmen haben die Initiative ergriffen, um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Bekannte Initiativen sind die Einführung des „Ünique“-Sortiments mit nicht genormten Gemüsen und Früchten oder die App „To good to go“. Über sie können Lebensmittel, die nicht mehr zu verkaufen, aber durchaus noch geniessbar sind, zu einem günstigen Preis abgeholt werden. Die grössten Detailhandelsunternehmen sowie zahlreiche Restaurants und Bäckereien bieten ihre nicht verkauften Nahrungsmittel über „To good to go“ an. Die App zählt aktuell fast 1.7 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer. Dieses Beispiel zeigt, dass die Thematik der Lebensmittelverschwendung in den privaten Haushalten angekommen ist. Das ist auch daran ersichtlich, dass sich heute im Restaurant immer mehr Kundinnen ihre Reste einpacken lassen. Oder daran, dass viele Konsumentinnen die Individualität von kunstvoll gebogenen Rüebli schätzen.

Noch weniger wäre mehr

Es ist natürlich nur zu begrüssen, dass sich mit dem Aktionsplan Food Waste endlich auch der Bund in den Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung einmischt. Doch angesichts der vielen engagierten, privaten und regionalen Bemühungen erscheint der Aktionsplan doch etwas zahnlos. Zwar behält man sich vor, zusätzliche Massnahmen zu ergreifen, falls in der ersten Phase des Plans (bis 2025) keine Reduktion der Lebensmittelverluste um 25% erreicht sei. Bis dahin sollen aber vor allem die amtlichen Mühlen mahlen, und in der direkten Konfrontation des Problems wird weithin auf Freiwilligkeit gesetzt. Auch sollte man sich fragen, ob die Zielsetzung einer Halbierung des Food Waste ambitioniert genug ist, während gleichzeitig unsere Pro-Kopf-Verschwendung im internationalen Vergleich obenausschiesst.

Quellen und weitere Informationen:
BAFU: Mitteilung Aktionsplan Food Waste 
BAFU: Aktionsplan Food Waste
SAVE FOOD FIGHT WASTE: Ein Aktionsplan für die Halbierung der Lebensmittelverluste
To Good To Go
Europäisches Parlament: Lebensmittelverschwendung in der EU

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