Flaschenwasser - natürliches Wasser?

19 Jan 2012

Für Nestlé und andere Weltkonzerne gehört das abgefüllte Trinkwasser zu wichtigen Geschäftsbereichen. Sie versprechen sich davon in Zukunft massive Gewinnsteigerungen. Gezielt werden dabei Abhängigkeiten geschaffen, welche vor allem für die Bevölkerung von Schwellen- und Drittweltländer gravierende Folgen haben.

Jeden Tag sterben in den Entwicklungsländern mehr Kinder an verschmutztem Wasser als an Malaria, Verkehrsunfällen, Aids und Krieg zusammen. Aus den öffentlichen Leitungen fliesst meistens nichts oder nur eine ungeniessbare Brühe. Diese Tatsache wird von Unternehmen wie Nestle geschickt ausgenutzt, indem sie den Leuten sauberes Trinkwasser, bekannt als „Pure Life“, verkaufen. Vor gut zehn Jahren hat man damit begonnen, Grundwasser mit Mineralien zu versetzen und in Flaschen abzufüllen. Im Gegensatz zum öffentlichen Wasser, bewirbt man das Flachenwasser als «Pure Sicherheit, pures Vertrauen».

 

Wie konnte es soweit kommen? „Pure Life“ wurde nicht zufällig zur grössten Wassermarke der Welt. Systematisch werden laufend Quellen- und Grundwasserrechte aufgekauft. Dies ist möglich, da in vielen Staaten gesetzliche Bestimmungen zu den Wasserrechten nicht existieren oder veraltet sind. Profitiert wird davon nicht nur in Drittweltländer, sondern auch in den USA und in anderen westlichen Ländern. Gegen lokale Gemeinschaften, die das Wasser im öffentlichen Besitz halten wollen, werden übermächtige finanzielle und politische Mittel eingesetzt. Mit gross angelegtem Werbe- und Marketingaufwand werden die vermeintlichen Vorteile des Flaschenwassers propagiert. Damit wird aber auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer funktionierenden öffentlichen Trinkwasserversorgung geschwächt. Als Folge davon existieren lokale Trinkwasserversorgungen nicht (mehr) oder sind überfordert. Somit werden vor allem in Drittweltländern Abhängigkeiten geschaffen.

 

Bedenklich ist auch die damit zusammenhängende Umweltbelastung. Flaschenwasser verbraucht im Gegensatz zum Hahnenwasser immense Mengen an Energie für Verpackung, Transport und Lagerung. Wie soll in einem Drittweltland zudem Recycling funktionieren, wenn täglich ums Überleben gekämpft werden muss? Aber auch in der Schweiz wird bedenklich viel Flaschenwasser, oft von weither transportiert, getrunken – ungefähr ein Drittel des gesamten Trinkwassers – obwohl wir im Gegensatz zu vielen anderen Länder perfektes Leitungswasser im Überfluss haben.

 

Kino Tipp: Zu diesem Thema startet am 26.1.2012 der Film „Bottled Life“, ein schweizer Dokumentarfilm von Urs Schnell und Res Gehriger.

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