Rohstoffe wurden von den Menschen seit jeher genutzt und gehandelt, aber erst in neuster Zeit wird im grossen Stil auf Veränderungen im Markt und auf Preisentwicklungen spekuliert, so dass Rohstoffe, darunter auch Nahrungsmittel, zum lukrativen Spielball für Rohstoffhändler und Investoren werden. Zunehmend kritisieren nun Menschenrechtsaktivisten, Umweltschützer und Finanzmarktgegner aus unterschiedlichen politischen Lagern, dass Spekulationen zu Lasten von Armen und Hungernden sowie deren natürlichen Umgebungen gehen. Wo noch vor wenigen Jahren ein Schleier der Diskretion über den grossen Schweizer Rohstoffhandelsfirmen lag, sehen sich die milliardenschweren Konzerne nun zunehmend mit Informations- und Transparenzanforderungen konfrontiert.
Die Schweiz hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einem global bedeutenden Standort für den internationalen Rohstoffhandel entwickelt. Steuervorteile, Bankgeheimnis und die Nichtmitgliedschaft in der EU haben dazu beigetragen. Heute wird ein erheblicher Teil des globalen Rohstoffhandels über Schweizer Büros abgewickelt - vor allem in Zug und Genf. Dabei ist die Schweiz selbst eines der rohstoffärmsten Länder der Welt. Beim sogenannten Transithandel werden Rohstoffe am Weltmarkt ein- und weiterverkauft ohne dass etwas davon in die Schweiz importiert oder exportiert werden muss. Nur die Fäden werden hier gezogen und ebenso wird der Hauptgewinn in der Schweiz gemacht. Die assoziierten Arbeiter auf den Plantagen, Feldern und in den Minen der armen Länder dieser Welt profitieren wenig davon.
In den vergangenen Monaten sind aufgrund der schweren Dürre in den USA und anderen Teilen der Welt die Lebensmittelpreise weltweit angestiegen. Für betroffene Farmer und Verbraucher hat die Verknappung und Verteuerung der Lebensmittel oft schwerwiegende Folgen; Schweizer Rohstoffhändler profitieren davon. Der bei Glencore für die Agrarrohstoffe zuständige Direktor Chris Mahoney hat bei der Präsentation der Halbjahreszahlen gesagt, dass die „Dürre in den USA gute Geschäftsmöglichkeiten für Glencore bietet.“ Dies hat zu einem Aufschrei von Seiten der Juso, der Regierung Grossbritanniens, der UNO und internationalen Hilfsorganisationen geführt. Dass die Lebensmittelknappheit handelsstrategisch ausgenutzt und in Profit umgewälzt wird, ist inakzeptabel.
Vertreter der Schweizer Rohstoffkonzerne weisen die Kritik, Menschen und Umwelt in den ärmeren Ländern dieser Welt auszubeuten, gerne mit dem Argument zurück, dass sie beispielsweise in Afrika soziale Projekte unterstützen. Hilfebemühungen der Grosskonzerne sind zwar grundsätzlich zu befürworten, ebenso ist auch das Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen nicht gänzlich von der Hand zu weisen. Nichts desto trotz ist eine stärkere Regulierung der internationalen Rohstoffmärkte zu Gunsten der Plantage-, Minen- und Feldarbeiter in den Entwicklungsländern dieser Welt dringend anzustreben. Die Menschen dort verdienen eine faire Gewinnbeteiligung, mehr Sicherheit am Arbeitsplatz und damit einhergehend auch endlich die Chance auf einen effektiveren Schutz der natürlichen Umwelt, von der sie abhängen.
Für eine umfassendere Darstellung der Problematik ist folgendes Buch zu empfehlen:
Erklärung von Bern (HG.): Rohstoff. Das gefährlichste Geschäft der Schweiz.
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