COP28 – Die Klimakonferenz 2023 in Dubai

Bereits im Voraus forderten Wissenschaftler, dass die COP28 anerkennen müsse, dass die derzeitigen Anstrengungen bei weitem nicht ausreichen. Daraufhin wurden nun erstmals die fossilen Energiequellen im Bericht erwähnt – doch Kritik bleibt nicht aus.

COP28 – Die Klimakonferenz 2023 in Dubai
Die Verhandlungen der COP28 sollten uns näher an die Ziele des Pariser Übereinkommens bringen. (Markus Spiske, Unsplash)

Vom 30. November bis 13. Dezember dauerte die 28. Weltklimakonferenz in Dubai. Delegierte aus 197 Ländern versammelten sich, um dem Ziel der Netto-Null-Emissionen bis 2050 näher zu kommen. Die internationale Staatengemeinschaft hat dabei zwar das Ende der fossilen Energieträger vorangetrieben, doch zu einem Entschluss zum absoluten Ausstieg kam es nicht.

Fast 100'000 Teilnehmende sind dieses Jahr nach Dubai gereist. Davon stammen so viele wie noch nie aus der Privatwirtschaft. Daniela Stoffel – Schweizer Staatssekretärin für Internationale Finanzfragen – meint, die Klimakonferenz habe den Charakter eines zweiten Weltwirtschaftsforums angenommen.

Die Ausgangslage

Das Ende des voraussichtlich wärmsten Jahres in der Geschichte der Erde naht. Die Wissenschaft warnt vor weiteren Klimaauswirkungen: Es sei höchste Zeit, die vereinbarten Klimaziele auch praktisch umzusetzen.

Der Synthesebericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zeigt: Wollen die Klima-Ziele eingehalten werden, müssen die weltweiten Treibhausgasemissionen noch vor 2030 drastisch sinken. Doch die Emissionen steigen immer weiter. Fossile Energieträger sind dafür die Hauptverantwortlichen.
Deshalb entflammten auch hitzige Debatten um den diesjährigen Konferenzleitenden Sultan al-Jaber, denn er ist Chef des nationalen Erdölriesen Abu Dhabi National Oil Company (Adnoc) und glänzte bisher nicht mit Anstrengungen für den Klimaschutz. Doch es bräuchte dringend eine weitgehende Abkehr von fossilen Rohstoffen.

Auch die geopolitischen Verhältnisse machen die Situation nicht leichter: Die Kriege in der Ukraine und Gaza sowie die angespannten Beziehungen zwischen den USA, der EU, Russland und China überschatteten die Klimaverhandlungen. Zudem ist die COP seit dem Beschluss des Pariser Abkommens 2015 zu einem Handelsplatz für grüne und weniger grüne kommerzielle Interessen von Unternehmen und Ländern geworden, die in erster Linie Einbussen verhindern wollen.

Ergebnisse der Verhandlungen

Um die Ziele des Pariser Übereinkommens in Reichweite zu halten, haben die Staaten eine Zwischenbilanz (Global Stocktake) mit Aufzeichnungen von Mängeln des Klimaschutzes sowie verschiedenen Handlungsempfehlungen verabschiedet. Darunter befinden sich die Empfehlung zum Ausbau von erneuerbaren Energien sowie jene zur Energieeffizienz bis 2030: Die Delegierten haben beschlossen, die Produktion von erneuerbaren Energien zu verdreifachen und ihre Energieeffizienz zu verdoppeln.
Auch verlangten einige Staaten einen Beschluss zur Abkehr von fossilen Brennstoffen. So wurde die angestrebte Abkehr von allen fossilen Energieträgern – Kohle, Öl und Gas – dieses Jahr erstmals wörtlich im Abschlussdokument festgehalten. In der Erklärung wurde jedoch nur ein «Übergang» formuliert: «Kohlenstoffarme Übergangsbrennstoffe» – das sind bspw. Wasserstoff, Flüssigerdgas sowie die Kernkraft, die vergleichsweise wenig CO2-Emissionen verursachen – bleiben weiterhin nutzbar.
Weiter ermöglicht die Formulierung die fortlaufende Freisetzung von Kohlendioxid aus Gas und Öl – insofern dieses CO2 getrennt und gespeichert wird. Derzeit kompensiert die CCS-Technologie (CO2-Capture and Storage) jedoch nur einen Hauch der Emissionen. Die Abkehr von der Kohle soll hingegen laut dem Beschluss zusätzlich beschleunigt werden.

Dieser Entschluss blieb nicht nur gutgeheissen. Es handelt sich eben nur um Empfehlungen, die keineswegs verbindlich sind. Damit lassen die finalen Formulierungen den Ländern zum Erreichen der Ziele einigen Interpretations- und Handlungsraum. Die Fachleute stehen den Beschlüssen zwiegespalten gegenüber. Einige sehen es als Kompromiss, der uns möglicherweise näher ans Ziel des Pariser Abkommens bringe, als allgemein bemängelt werde. Andere Fachleute, Umweltorganisationen sowie Klimaschützer, erblicken darin einen deutlich zu kleinen Schritt – der Ausstieg sei notwendig. In der Theorie könnten die versprochenen Massnahmen zwar ausreichen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Dafür müssten sie aber auch verwirklicht werden.

Ein weiteres wichtiges Thema der COP28 war, die Grundregel für die Klimafonds definieren sollte. Die Fonds bieten Kompensationszahlungen für diejenigen Länder, die die Klimafolgen am härtesten treffen. Aber auch ärmeren Länder ohne die Mittel, den Klimawandel im angemessenen Umfang zu bekämpfen, sollen mit dem Geld bei der Energiewende und der Klimaanpassung unterstützt werden.

Die Schweiz hätte sich gewünscht, dass alle Länder, die einen hohen Treibhausgas-Ausstoss und die finanziellen Mittel haben, zu Beiträgen aufgefordert werden.
- BAFU

Beschlossen wurden diese Klimafonds schon im Jahr 2010. Sie sollten ab 2020 jährlich durch reichere Staaten mit 100 Milliarden US-Dollar abgedeckt werden. Bislang wurden diese Versprechen nicht gehalten, während die erforderlichen Mittel jedoch vorhanden seien.